Eine Demonstrantin hält am 17. August in Minsk eine Landkarte von Belarus in die Höhe.
Foto: AP/Sergei Grits

BerlinMan muss sich an den Namen ein wenig gewöhnen: Belarus. Er liegt einem nicht so leicht auf der Zunge wie das deutsche Wort Weißrussland und wirkt beim Lesen und Schreiben anfangs etwas sperrig. Es gibt aber gute Gründe, den Namen zu verwenden. Die wichtigen deutschen Magazine benutzen ihn, auch Nachrichtenagenturen wie die dpa. Sowohl das Auswärtige Amt hat umgestellt als auch die führenden deutschen Institutionen. Ein kleiner Blick in die Geschichte klärt auf, warum das richtig ist.

Die Belarussen kämpfen momentan um ihre Unabhängigkeit und um staatliche Souveränität. Solche Kämpfe werden immer auch auf identitäts- und namenspolitischen Schlachtfeldern ausgetragen. Im Fall von Belarus ist das ebenso. Der Begriff Weißrussland wurde nämlich, so eine stimmige Hypothese, vor allem während des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise in der Nachkriegszeit benutzt und markiert die Erfahrungen von deutschen Soldaten, die das belarussische Gebiet von vor 1945 als zu Russland gehöriges Territorium bezeichneten. Der Begriff Weißrussland lässt sich also als eine Untermauerung der Verbindung zwischen Belarus und Russland hinsichtlich der russischen Zentralmacht verstehen. In der DDR bezeichnete man Belarus auch als Bjelorußland.

Man müsste sogar von ‚Belarusisch‘ sprechen

Man könnte als Einwand formulieren, dass ja Weißrussland die präzise Übersetzung von Belarus sei. Schließlich heißt doch „Bela“ weiß und „Rus“ Russland. Aber so einfach ist die Sache nicht. Rus bezieht sich nämlich nicht nur auf das heutige Russland, sondern auf die sogenannte Rus, also auf den panslawischen Länderbund, der umgangssprachlich bis ins 20. Jahrhundert reichte. Weißrus wäre also, wenn man genau sein wollte, die korrekte Übertragung von Belarus ins Deutsche. Viele Belarussen empfinden den Namen Weißrussland als impliziten Hinweis darauf, dass Belarus mit Russland gleichzusetzen sei. Das ist aber nicht der Fall. Die Belarussen fühlen sich zwar den Russen nahe und teilen einen Kultur- und Geschichtsraum, empfinden sich aber unabhängig – so wie die Polen, die Litauer oder die Ukrainer auch.

Auch die Belarusisch-Deutsche Geschichtskommission setzt sich für den Gebrauch des Wortes Belarus ein. Sie hat eine Empfehlung zur Schreibweise von Belarus in deutschsprachigen Texten herausgebracht. Diese Empfehlungen gehen sogar einen Schritt weiter. Noch korrekter, so heißt es in dem Schreiben, wäre es nämlich, die Sprache als „Belarusisch“ und das Volk als „Belarusen“ zu bezeichnen (also jeweils mit einem s). Bislang hat sich dieser Vorschlag aber noch nicht durchgesetzt.