Venedig enttäuscht seine Besucherinnen und Besucher nie. Egal, ob es schüttet oder die Sommersonne die Lagunenstadt aufheizt, ob im Februar oder im September – die Stadt am Mittelmeer entfaltet ihre Magie bei jedem Besuch aufs Neue. Italien verschenkt seine besten Momente in der Hauptstadt der Region Venetien mit vollen Händen: Essen, trinken, shoppen, Kunst und Kultur genießen kann man in der Stadt, die auf mehr als hundert Inseln erbaut wurde, im Überfluss. Hier ein paar Tipps.

1. Übernachten

Wenn Geld keine Rolle spielt, dann gibt es in Venedig eine Auswahl an sehr luxuriösen Hotels. Das legendäre Hotel Danieli unweit des Markusplatzes beispielsweise bietet ein Doppelzimmer ab 700 Euro die Nacht an, das ist allerdings der Sparpreis ohne Frühstück (53 Euro pro Person). Pittoresk steigt man im Hilton Molino Stucky Venice (Giudecca 810, Giudecca 30133) im Gebäude einer ehemaligen Getreidemühle ab. Aber auch Hotels wie der Palazzo Bauer, The Gritti Palace oder The St. Regis bieten jeden erdenkbaren Luxus und so opulent-schicke Zimmer und Suiten, dass man eigentlich gar nicht vor die Tür will.

Das will man aber und so ist der Anbieter Airbnb auch in Venedig eine Alternative. Die Wohnungen in der Innenstadt sind meist erschwinglich und beginnen in der Regel bei rund 60 Euro pro Nacht. Achten Sie darauf, dass das Apartment einen Balkon hat – Venedig ist sehr warm im Sommer –, und erwarten Sie ansonsten nicht zu viel vom Interieur: Italiener finden des Prinzip der teutonischen Gemütlichkeit eher absonderlich und es ist kein Vorurteil, dass sich alles sich auf das Leben außerhalb der eigenen vier Wände konzentriert. Dementsprechend schlicht sind die meisten Wohnungen eingerichtet. Das spielt aber keine Rolle, denn warum sollte man drinnen bleiben in dieser Stadt?

dpa/Felix Hörhager
Der Canal Grande ist die Hauptverkehrsader der Lagunenstadt.

2. Das richtige Viertel

Da Venedig nicht besonders groß ist, kann man wenig falsch machen bei der Auswahl seines temporären Standorts. Wer es lebendiger mag, der versucht, in einer der beiden größten Stadtteile unterzukommen: Entweder in Cannaregio im Nordwesten mit seiner Einkaufsstraße Strada Nova, dem historischen jüdischen Ghetto  und dem fantastischen Palast Ca' d'Oro. Oder aber in Castello, dem Viertel, in dem sich die Biennale-Gärten und das Arsenale-Gelände befinden und dessen Via Garibaldi eine der beliebtesten Straßen der Stadt ist: Trattorien, Cafés und Pizzerien wechseln sich ab, nicht sehr teuer, aber durchaus annehmbar für einen ordentlichen Lunch und einen oder zwei Cocktails vor dem Dinner.

Wer es etwas ruhiger und auch weniger touristisch mag, der mietet sich in Sant'Elena ein. Die kleine Insel am östlichsten Ende der Stadt ist ein ruhiges Wohnviertel, und keine Idylle ist hier ein Klischee: Vor den Tante-Emma-Läden (reizend und gut sortiert: „Pane e Salame“, Calle Franco Passarella 3) dösen dicke Katzen, und zwischen den Häusern in den engen Gassen trocknet die Sonne die Wäsche auf den Leinen, während man selbst angeschickert vom 16- und 17-Uhr-Cocktail dem Dröhnen der Zikaden lauscht und der schwere Geruch von Jasmin die restlichen Sinne betäubt.

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Der Markusplatz gilt vollkommen zu Recht als einer der schönsten Plätze der Welt.

3. Gute Restaurants und Glutenallergien

Die Venezianer kochen vorzüglich, auch wenn zu fast jedem Gericht das obligatorische Weißbrot gereicht wird. So ist es auch kein Zufall, dass Italien das Land mit den meisten Glutenallergien in Europa ist. In Venedig gut essen zu gehen, ist nicht schwer, allerdings selten eine günstige Angelegenheit. So ist es mittlerweile auch in der Lagunenstadt normal, für ein Abendessen zu zweit über 100 Euro zu zahlen. Dafür wird man aber verwöhnt mit allem, was das Meer hergibt. Probieren Sie Oktopus-Kartoffelsalat und Jakobsmuscheln mit Couscous. Dazu bitte unbedingt einen trockenen Weißwein!

Meiden Sie bei der Wahl der Restaurants die Touristenpfade, denn abseits der großen Straßen ist die Küche wesentlich ambitionierter. Eine Bootsfahrt wert ist beispielweise die Osteria da Pompa in Sant'Elena (Calle Generale Antonio Chinotto 24) mit ihrem kleinen Gastraum und dem großen Außenbereich. Lokale Küche bestimmt hier die Karte. Unbedingt am Vortag reservieren und die Spaghetti alle Vongole kosten!

Wer nach dem Biennale-Besuch Hunger verspürt, der findet unweit des Arsenale-Geländes an einem kleinen Kanal in Castello die Antica Osteria da Gino (Fondamenta S. Giuseppe 754), wo man sich ebenfalls auf Meeresfrüchte spezialisiert hat. Auch hier gilt: reservieren. Davor vielleicht noch einen Espresso in dem filigran-anmutigen im 19. Jahrhundert erbauten Gewächshaus Serra dei Giardini (Via Giuseppe Garibaldi 1254). Schöner wird's wirklich nicht mehr.

Wem das tägliche Essengehen zu kostspielig ist, der versorgt sich in einem der vielen Tante-Emma-Läden der Stadt, die in fast allen Vierteln Venedigs zur Grundversorgung beitragen: Kaffee, Käse, Öl, Wurst (unbedingt in den Einkaufskorb: Salsiccia, die scharfe Salami) und Wein gehören immer zum Basis-Angebot sowie das unvermeidliche knautschige Weißbrot und eine Auswahl an sehr süßem und buttrigem italienischen Gebäck.

Wer Venedig zum ersten Mal besucht, der sollte im weltberühmten Caffè Florian auf dem Markusplatz einen Cappuccino auf der Terrasse nehmen. Das imposante Caféhaus wurde vor über 300 Jahren eröffnet und gehört heute zur Fendi-Gruppe. Die Terrasse mit Livemusik bietet einen der schönsten Ausblicke der Stadt über den Markusplatz auf den Dogenpalast, den Markusdom und das Meer. Dementsprechend exorbitant sind die Preise: Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen schmälern die Urlaubsbörse um nicht weniger als 25 Euro.


4. Feiern? Eher nicht!

Venedig ist keine Partystadt. Als ein gelungener Abend gilt  hier ein spätes und ausgedehntes Dinner mit mehreren Gängen und nicht gerade wenig Alkohol. Wer danach die Füße immer noch nicht stillhalten kann, der wird enttäuscht sein, denn es gibt eigentlich keinen nennenswerten Club. Dafür aber viele sehr schöne Bars (Tipp: Adagio Caffe & Wine Bar, San Polo 3028) meist in den Hotels und ein paar kleinere in der Innenstadt, die aber in der Regel meist kurz nach Mitternacht schließen.

Sollten Sie doch tanzen gehen wollen, dann fahren Sie rüber aufs Festland nach Mestre. Der Einkaufsort der Venezianer, der ein Teil von Venedig ist, aber aufgrund seiner Größe als eigene Stadt gilt, hat sich in den letzten Jahren zu einem fancy Hotspot gemausert.  Mestre bietet heute eine urbane Mischung aus schicker Gastronomie und tollen Kultur-Events selbst hartgesottene Insulaner aufs Festland. Der Besuch des Museums für die Geschichte des 20. Jahrhunderts M9 (Via Giovanni Pascoli 11) ist auf jeden Fall ein Pflichttermin.


5. Fortbewegung auf und im Wasser

Wer unter einer Aquaphobie leidet, also der Angst vor Wasser, für den ist Venedig natürlich nichts. Die Lagunenstadt hat bis auf wenige Ausnahmen keinen Autoverkehr, das Hauptfortbewegungsmittel ist das Boot. Fliegen Sie nach Italien, so landen Sie am Flughafen Marco Polo und steigen von dort am besten in das Lagunenboot der Linie AliLaguna. Der Transfer in die Stadt kostet hin und zurück rund 30 Euro und dauert 90 Minuten. Dafür beginnt das Sightseeing mit dem Ablegen: In der Ferne erhebt sich bereits die prächtige Stadt, während man über das glitzernde Meer fährt und dann durch den Stadtteil Murano schippert, wo das berühmte bunte venezianische Glas hergestellt wird. Nächste Station ist der Lido, der vorgelagerte Teil der Nehrung, von wo aus man dann mit dem Wasserbus, dem Vaporetto, die Stadt erreicht.

dpa/Felix Hörhager
Das Boot ist das Hauptverkehrsmittel der Stadt.

Ein großes Problem, das durch den Klimawandel stetig größer wird, ist das winterliche Hochwasser, das der Lagunenstadt zwischen Oktober und März regelmäßig heftig zusetzt. Das sogenannte Acqua Alta hat Venedig fest im Griff und erreichte 2019 einen bedrohlichen Höchststand von 144 Zentimetern. Das MO.S.E (Modulo Sperimentale Elettromeccanico), ein Sturmflutsperrwerk, hat sich für Venedig zu einer Katastrophe entwickelt, wie für uns der BER. Korruption, Missmanagement und Fehlplanungen haben Milliarden verschlungen, 2020 wurde der Hochwasserschutz nach rund 17 Jahren Bauzeit zum ersten Mal eingesetzt. Kritiker sagen, dass die Hilfe viel zu spät kommt und Venedig dem Untergang geweiht sei.

Wenn Sie die Stadt in der durchaus magischen Herbst- und Winterzeit besuchen, so bereiten Sie sich auf ein paar Tage in kniehohen Gummistiefeln vor. Sie können die Stiefel überall günstig in Venedig kaufen. Abzuraten ist von den Plastikschonern, die an jeder Straßenecke angeboten werden: Nach ein paar Stunden gehen die Nähte auf und Sie stehen mindestens bis zu den Waden im kalten Lagunenwasser.

ansa/ap
2019: Ein Tourist auf dem Markusplatz im Hochwasser. In jenem Jahr erreicht das Acqua Alta einen Höchststand.

6. Shopping

Venedig ist nicht unbedingt eine Stadt für ausgedehntes Shopping. Hinter dem Markusplatz befindet sich die Salizada S. Moise, eine Einkaufsstraße, die alle großen und luxuriösen Marken versammelt, aber nur wenig bietet, was man nicht in allen Metropolen der Welt finden würde. Einen Besuch wert ist das berühmte Kaufhaus Fondaco Tei Tedeschi („Lagerhaus der Deutschen“) direkt an der Rialtobrücke, dessen Angebot in etwa vergleichbar ist mit dem Berliner KaDeWe, allerdings in geringerem Ausmaß. Das Erdgeschoss bietet eine wunderbare Auswahl an italienischen Feinkostwaren und das absolute Highlight ist der atemberaubende Ausblick von der Dachterrasse über die Stadt. Der Eintritt ist kostenlos, doch aufgrund der Pandemie ist die Besucherzahl beschränkt und man muss zuvor einen Slot über die Website des Kaufhauses buchen.

Immer noch günstiger als hierzulande sind in Italien Lederwaren wie Schuhe und Taschen. Ein Tipp für ein paar neue Handschuhe ist die Manufaktur Fanny, deren handgearbeitete Handschuhe mit einem Innenfutter aus Kaschmir so angenehm zu tragen sind, dass Sie nie mehr andere wollen. Die Manufaktur versendet über ihre Website, hat aber auch einen Laden im Stadtteil San Polo eröffnet (Calle Seconda dei Saoneri 2723).


Sommer, Sonne, Hitzestau

Im April steigen die Temperaturen, in der kommenden Woche werden in Venedig schon 23 Grad erwartet, was noch ganz angenehm ist. Fahren Sie im Frühsommer oder später in die Mittelmeerstadt, so seien Sie auf Temperaturen über 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit vorbereitet. Packen Sie weite und nicht zu dicken Sachen ein und auf jeden Fall ein paar Sandalen. Auch wenn Sie aus Deutschland kommen: Bitte dazu keine Tennissocken in den Sandalen, es sei denn, beides ist von Prada.

Die Venezianer ertragen die Temperaturen recht stoisch und verlegen viel Aktivitäten in die Abendstunden. Mittagspausen in den Geschäften zwischen 13 und 16 Uhr sind daher keine Seltenheit. Wenn die Sonne zu unerträglich sticht, dann machen Sie einen Ausflug zum Lido, dem Badestrand, der die Lagune von der offene Adria trennt, und gönnen Sie sich einen Tag am Meer. Es gibt auch einen FKK-Bereich, aber grundsätzlich stehen die Italiener dem Nacktbaden kritisch gegenüber. Verständlich, das ist ja selten ein ästhetischer Anblick.


Sie wollen Venedig fachgerecht erkunden und die Stadt und ihre Architektur verstehen lernen? Der Berliner Anbieter für Architekturreisen, Ticket B, bietet regelmäßig Trips in die Lagunenstadt an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.