Ben Howard im Tempodrom: Hier gibt es nichts zu lachen

Nein, ein Entertainer ist er wahrlich nicht. Eher die maulfaule Variante eines Musikers; der, wenn er denn spricht, dies lieber mit hartem britischem Akzent mit seinen Mitmusikern tut. Aber halt! So wortkarg ist er dann doch nicht, einsilbig trifft es wohl eher. Kein Frontmann hat sich wohl jemals so oft und artig während eines Konzerts bei seinem Publikum bedankt wie Ben Howard: Alte britische Schule. „Thanks.“ „Thank you very much.“ „Thank you.“ Um nicht das wirklich entzückende „Danke“ zu vergessen. Aber wer den geradezu unfröhlichen Song „She treats me well“ mit „dies ist der fröhlichste Song aus meinem Album“ ankündigt, möchte vielleicht auch gar nicht viel sagen.

Wer am Donnerstagabend ins ausverkaufte Tempodrom kam, wollte nicht lachen, sondern einem fantastischen Singer-Songwriter zuhören, der in dieser kühlen Novembernacht sein zweites Album „I forget where we were“ vorstellte. Dieses Konzert unterlag vor allem zwei Mottos: Tauche jeden Song in eine beeindruckende Farbkulisse (südenglisches Nordseeblau, Quietscheentenschnabel-Orange, Discofieber-Lila, David-Lynch-Schwarzweiß, Tatort-Blutrot) und wechsle dabei die Gitarren so schnell aus, dass der Gast dazwischen kaum zum Biertrinken kommt.

Gitarren – das sagt sich so leicht

Gitarren – das sagt sich so leicht. Der 27-jährige blondgelockte Jeanshemdträger klampft nicht einfach nur ein bisschen herum, wie so manch anderer Sänger mit Saitenambitionen und traurigem Herz. Auch wenn Howard gern die obligatorische Lagerfeuerpose (Hocker-Knie-Instrument) einnimmt, darf man sein Spiel nicht unterschätzen: Während er bei Akustik-Nummern oftmals sein Instrument aufs Knie legt und die Saiten schlägt, greift er bei E-Gitarren-Einlagen die Saiten am Bund von oben. Er ist eben nicht der typische e-Moll/a-Moll/C-Dur-Songwriter. Manche Songs bekommen zum Ende hin Shoegaze-Tendenzen, in denen ganz klar die Gitarren dominieren und seine oftmals summende Stimme in den Hintergrund tritt − was auf dem Album wenig herausklingt. Unterstützt wird Ben Howard dabei von einem Kontrabassisten, einem Drummer, einem Keyboarder, einem weiteren Gitarristen und einer sehr quirligen, barfüßigen Multitasking-Frau in schwarzem Kleid, die während des Konzertes durchgängig auf und ab hüpfte und dabei diverse Standtrommeln und Rhythmus-Instrumente, den Bass und auch noch das Cello bediente.

Und so spielte sich der Südengländer fast durch sein komplettes neues Album, tat seinen Fans jedoch nicht den Gefallen den schmerzlich vermissten Gassenhauer „Keep your head up“ aus seinem ersten Album „Every Kingdom“ zu spielen. Vielleicht zu positiv für den Abend?

Ein Berliner Radiomoderator meinte neulich, er könne den drei Jahre andauernden Liebeskummer Ben Howards nicht länger ertragen. Die Autorin findet, Ben Howards Kummer kann durchaus auch noch das nächste Jahrzehnt andauern. Die Howard-Fans und Faninnen werden es ihm danken.