Zu einem wunderschön düsteren Plastikklavier-Elektropop-Abend wurde am Freitagabend in die Berghain Kantine geladen. Drei Bands haben gespielt: Sixth June, Gazelle Twin und Soft Metals. Alle drei Bands bestehen aus jeweils zwei Personen, und bei allen drei Bands haben jeweils die Frauen den Gesangspart übernommen – und die Männer haben die computergenerierten Soundflächen und Rhythmen erzeugt. Unterschiede gab es bei all diesen Gemeinsamkeiten dennoch zu hören.

Den Abend begonnen haben Sixth June, Lidija Andonov und Laslo Antal aus Belgrad und Subotica, ein seit Jahren in Berlin sesshaftes Duo. Sie spielen einen süßen, kühlen, dunklen Elektropop, der an Bands wie Propaganda oder Depeche Mode erinnert. Während Andonov zu ihrem manchmal zu schüchternen Gesang tanzt und Antal an den Knöpfen dreht, laufen im Hintergrund schwarz-weiße Videoprojektionen – den vielen Menschen in der Kantine hat das gefallen.

Mit Gazelle Twin, dem Duo aus Brighton, wurde es dann experimentierfreudiger, mehr Hall, mehr Delay und Exzessivität im Gesang: Sängerin Elizabeth Bernholz arbeitet mit Effektgeräten, wechselt ihren Sprechgesang mit Schreien und Extremhauchen ab und bearbeitet das Ganze dann mit Hall: aus einem Hauchen wird ein Peitschenschlag, ein weiterer Rhythmus entsteht.

Das Duo trägt Pullis mit Kapuzen, bis tief ins Gesicht gezogen, die Sängerin hat zusätzlich eine hautfarbene Strumpfhose über dem Gesicht, nur Konturen kann man erahnen, nichts Klares sehen. Die Geräuschkulisse, die dreckigen Beats und die wummernden und verzerrten Bässe lassen Wut und auch Verzweiflung heraushören – und dennoch sind nicht alle Strukturen weg und verwischt, der klare Rhythmus hält alles zusammen. Ein sehr gelungener Auftritt.

Als letztes spielten Soft Metals, ein Duo aus Portland, Oregon, heute wohnhaft in Los Angeles. Patricia Hall und Ian Hicks öffnen das Sound-Spektrum, sie programmieren eingängige Beats und kombinieren flirrende Bässe mit einem sehr verhallten Gesang, der meist in traurigem Halbtonschritt nach unten in die Länge gezogene Flächen erzeugt, eine eigentümliche Mischung aus Industrial, Techno, Dark-Pop und Hippie-Krautrock. Eine irgendwie dennoch freundliche Mischung aus traurigem Gesang und lebensbejahenden, immer und immer wieder weitergehenden Beats. Die Musiker lassen sich nicht von einer vorgegebenen Struktur fesseln, sie improvisieren, so lange sie wollen. Ebenso ein sehenswerter Auftritt – ein insgesamt sehr gelungener Abend in Moll.