Ein gutes Gespann: Anne Sofie von Otter und Wolfram Koch.
Foto: Komische Oper/Monika Rittershaus

BerlinMan kann auch auf dem Rücken liegend sehr gut singen, jedenfalls kann das Anne Sofie von Otter, nachdem sie erst in die Knie gegangen, dann auf allen Vieren über die Bühne gekrabbelt ist. Für die Interpretation von „Ach, wie schön, man singt immer tiefer“ passt diese auf einer Opernbühne doch recht ungewöhnliche Haltung perfekt.Und es ist unmöglich bei dem „singt“ nicht „sinkt“ zu denken bei diesem Schlager des Berliners Günter Neumann aus dem Jahr 1937.

Nein, dieser Abend reiht sich nicht in die 20er-Jahre Programme dieser Tage ein, die Auswahl des musikalischen Leiters Adam Benzwi, der mit Leidenschaft vergessene deutsche Schlager ans Tageslicht befördert, endet nicht mit dem Jahr 1933, er hat auch nicht nur die Stücke jüdischer Komponisten wie Kurt Weill oder Friedrich Hollaender ausgesucht.

Kan man „Gern hab' ich die Fraun geküsst“ noch singen?

Stattdessen ist dieses von der Mezzosopranistin von Otter und dem Schauspieler Wolfram Koch gestaltete Programm ein abwechslungsreicher Berlin-Abend, der Widersprüchlichkeiten nicht aus dem Weg geht. Kann man etwa „Gern hab ich die Fraun geküsst, hab' nie gefragt, ob es gestattet ist“ in MeToo-Zeiten noch singen? Der Text stammt von den jüdischen Librettisten Paul Knepler und Bela Jenbach. Hätte Wolfram Koch sich seiner angenommen, wäre es unmöglich gewesen, aber es ist Anne Sofie von Otter, die vorträgt.

Die beiden sind ein tolles Gespann. Manche Lieder singen sie gemeinsam. Das titelgebende „Ich wollt', ich wär' ein Huhn“ etwa, komponiert von Peter Kreuder, den die Nazis auf der Flucht nach Kuba in Lissabon aufgriffen und zur Rückkehr zwangen, damit er der Unterhaltungsindustrie diene. Die beiden sind sich für kein Gackern zu schade, nicht fürs Flügelschlagen mit angewinkelten Ellenbogen, nicht fürs Chargieren. Das macht Spaß! 

Wolfram Koch lispelt hervorragend

Die Bühne wirkt angenehm unordentlich, denn darauf befinden sich auch Requisiten und Kostüme. Der Kleiderständer dient als Rückzugsort, wenn nur einer singt oder deklamiert, wie Wolfram Koch (Tatort-Fans bekannt als Hauptkommissar Paul Brix) es manchmal tut, in  „In meiner Badewanne bin ich Kapitän“ etwa. Sein Glanzstück ist „Suschen, ach“ von Otto Reutter, das er mit Hingabe und hohem Körpereinsatz spielt, singt, lispelt. Und das von Anne Sofie von Otter ist Zarah Leanders „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ aus dem Film „La Habanera“. Die dunkle Anschmiegsamkeit und Gewalt ihrer Stimme kommen hier besonders gut zur Geltung. Die Musiker fühlen sich als Teil der Performance.

Ich wollt' ich wär' ein Huhn 8.+15. März, jeweils um 19 Uhr, Komische Oper, Kartentelefon: 47 99 74 00