Die elfjährige Helena Zengel ist als beste Hauptdarstellerin nominiert. 
dpa/Yunus Roy Imer

BerlinDer Deutsche Filmpreis   2020 werde wie geplant am 24. April    in Berlin vergeben, „in welcher Form auch immer“, wie der Schauspieler Ulrich Matthes als Präsident der veranstaltenden Filmakademie am Mittwoch bei der Bekanntgabe der Nominierten erklärte. Nach heutigem Stand der Dinge könnte es gut sein, dass die traditionell im Palais unter dem Funkturm stattfindende Gala per Videostream  ans Publikum übertragen wird. Eine zeitversetzte Ausstrahlung in der ARD ist ohnehin geplant. 

Aber soweit sind wir noch nicht, vielleicht dürfen ja bis dahin die Säle wieder geöffnet werden.

Einen Vorgeschmack auf die Streaming-Variante bot schon mal die Kandidatenverkündung durch Ulrich Matthes und Monika Grütters im fast gänzlich leeren Kinosaal. Mit elf Nominierungen geht der Film „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani als   großer Favorit  ins Rennen, gefolgt von Nora Fingscheidts „Systemsprenger“, der sich in zehn Kategorien Hoffnungen machen kann. Damit konkurrieren  zwei Filme, die in aufeinanderfolgenden Jahren im Wettbewerb der Berlinale für Aufsehen gesorgt haben, wobei „Systemsprenger“     eher als ein Film aus der vorigen Saison wahrgenommen werden dürfte. Diese  besondere Korrelation hängt mit den Modalitäten der Einreichung zusammen.  

Naheliegende Auswahl

Außerdem sind für den besten Spielfilm nominiert: „Es gilt das gesprochene Wort“ von Ilker Çatak, „Lara“ von Jan-Ole Gerster, „Lindenberg! Mach Dein Ding“ von Hermine Huntgeburt und Christian Petzolds „Undine“. Burhan Qurbani, Nora Fingscheidt und Ilker Çatak können zusätzlich auch noch auf die Regie-Lola spekulieren. Mit dieser Auswahl hat sich die Filmkademie für  die naheliegenden Produktionen entschieden. Das Genrekino, vertreten etwa durch Christian Alvarts Krimi „Freies Land“ oder Patrick Vollraths Thriller „7500“ blieb in der Hauptkategorie ebenso unberücksichtigt wie Angela Schanelecs verrätselte Beziehungsstudie „Ich war zuhause, aber …“.

Mitunter ist es ja ohnehin interessanter zu schauen, wer  so alles nicht dabei ist. Nicht nominiert wurden zum Beispiel Nina Hoss, Paula Beer oder Corinna Harfouch als Beste Hauptdarstellerin. Hier treten Alina Serban („Gipsy Queen“) und Anne Ratte-Polle („Es gilt das gesprochene Wort“) gegen die elfjährige Helena Zengel aus „Systemsprenger“ an. Für die    beiden Hauptberuflerinnen könnte es eng werden. Bei den Männern ist Albrecht Schuch („Systemsprenger“/„Berlin Alexanderplatz“) als Haupt- wie als Nebendarsteller nominiert. Ihm machen Jan Bülow („Lindenberg! Mach Dein Ding“) und Welket Bungué („Berlin Alexanderplatz“) Konkurrenz. Bereits jetzt steht „Das perfekte Geheimnis“ mit fünf Millionen Zuschauern als besucherstärkster Film des Jahres für eine Lola fest. Der Regisseur Edgar Reitz („Heimat“) bekommt den diesjährigen Ehrenpreis.