Berlin - Von wegen Lockdown-Melancholie: Die privaten Berliner Galerien tun derzeit ihr Möglichstes, um den Mangel zu kompensieren, wo doch alle Museen und kommunalen Ausstellungsorte wieder zu sind. Der Kunsthandel, vor dem Gesetz dem Einzelhandel zugehörig, kann wie gewohnt offen bleiben und stemmt sich der kulturellen Verödung derzeit tapfer entgegen. Mit strengstem Abstandsgebot, versteht sich. So hatte ich dieser Tage an einem grauen Nachmittag die hohen Räume der Kreuzberger Galerie Tammen ganz für mich allein.

Es war eine Überraschung: Linolschnitte wie die von Sabine Ostermann habe ich so wirklich noch nie gesehen. Welch eine Innovation: Die in Falkensee bei Berlin lebende Künstlerin, geboren 1968 in Backnang, ausgebildet an der Kunstakademie Mainz, stellt den klassischen Linolschnitt sprichwörtlich auf den Kopf. Und tritt so den Beweis an, dass ein so altes Material – Linoleum wurde als faserverstärkter Kunststoff 1860 von dem Chemiker Walton erfunden – durchaus zu so originellen wie verblüffenden Innovationen taugt. Der Linolschnitt ist bekanntlich eine grafische Technik des Hochdruckverfahrens, die im Prinzip dem Holzschnitt gleicht. Negativmuster werden in die Platten geschnitten, Farben aufgetragen, Abzüge gemacht.

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