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Der Gegensatz konnte nicht größer sein, dabei musste man am Donnerstagabend nur einmal die Auguststraße überqueren, um die ganze soziale Bandbreite der Kunstwelt zu erleben. In den Kunst-Werken begann die Berlin Biennale, ein buntes, zotteliges Camp samt Occupy-Community in ihren Zelten und allerlei sonstigen Aktivisten, die sich zur Weltveränderung versammelten. Schräg gegenüber elegant gekleidete Menschen, die keinen Anlass zum Umsturz der Verhältnisse sahen, sondern lieber den adretten Hostessen ihren Namen nannten, um zum Auftakt-Empfang des Gallery Weekends in der Jüdischen Mädchenschule zu gelangen. Natürlich tauschte man sich pflichtgemäß kurz über die Biennale aus, aber dann wurde doch lieber in Augenschein genommen, welche Sammler und sonstigen Kunstprominenten denn anwesend waren.

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Zwei Stunden später war die Auguststraße für Autos gesperrt, sie war schwarz vor meist jungen Leuten, die zur Biennale-Eröffnung strömten. Dabei war ja noch mehr zu erleben. Etwa Gary Hill, der weltberühmte Video-Pionier, der bei DNA seine erste Berliner Einzelschau feierte und auf zahlreichen Monitoren seinen nackten, betagten Leib vorführte. Oder Bjørn Melhus, ebenfalls Videokünstler, der sich aber neuerdings als Modedesigner versucht und – natürlich mit einigem Augenzwinkern – seinen terrestrischen Flagshipstore des Labels „Made on Mars“ eröffnete. Ein ganz eigener Schick, den man mögen muss. Mir persönlich gefielen die gestrickten Jeans besser, die Edward Buchanan bei Semjon Contemporary anbot. Kunst oder ordinäre Mode? Wen kümmert heute schon die Unterscheidung?

Sebastian Preuss

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