Blick in die Experimentalschau  „Archive berühren“ von Sinthujan Varatharajah und Osías Yanov in der ExRotaprint-Halle. 
Foto:  BB/Mathias Völzke

BerlinNormalerweise wäre jetzt die heiße Phase. Am 13. Juni hätte die 11. Berlin Biennale der internationalen Gegenwartskunst  beginnen sollen. 1998 gegründet, gilt das von der Kulturstiftung des Bundes aller zwei Jahre mit 3,5 Millionen Euro finanzierte Ereignis als wichtigstes Schaufenster der jungen Kunst aus aller Welt.

Damit ist die Berlin Biennale einzigartig in Deutschland, denn sie schafft Freiräume für experimentelle Formate, für engagierte Kunst, die unabhängig ist vom Markt. Die Großausstellung findet traditionell an mehreren Orten der Stadt statt. Seit Herbst 2019 bereiten sich darauf vor: das Institut KW Auguststraße, der Martin-Gropius-Bau, die daad-Galerie und die historische ExRotaprint-Halle in einer einstigen Druckmaschinenfabrik in Wedding.

Aber wie so viele Höhepunkte des Kulturlebens wurde die Berlin Biennale notgedrungen verschoben. In den Herbst. Denkbar wäre der Start noch vor der bereits mit Veranstaltungen vollgestopften Art Week, denn wenn dann auf einmal wieder massenweise Kunstvolk in der Stadt unterwegs ist, schlägt das ja auf die Corona-Auflagen zurück. Die Biennale ausfallen zu lassen, ist keine Option, ebenso wenig derzeit die Verlagerung nach 2021. Auf die Jahreszeit der sich färbenden Blätter hoffen nun alle. Die Hotels der Stadt dürfen wieder Gäste empfangen, europaweit läuft der Reiseverkehr wieder an. International, so die Hoffnungen, auch.

In der Zentrale in den KunstWerken Auguststraße um Biennale-Direktorin Gabriele Horn, ebenso im vierköpfigen Kuratoren-Team, das sind Maria Berríos aus Chile, Renata Cervetto aus Argentinien, Lisette Lagnado aus dem Kongo und Agustín Pérez Rubio aus Spanien, kam die ganze angespannte Zeit des Lockdowns über keine Verdrossenheit auf. Wer in Berlin war, arbeitete weiter und wie überall in der Welt mit digitalen Mitteln. Jetzt ist auch die ExRotaprint-Halle wieder offen fürs Publikum, um der Öffentlichkeit die prozesshafte Biennale-Vorbereitung nahezubringen. Mit Abstandsgebot, versteht sich.

Die Biennale-Macher wollen den Sommer über gern dahin zurück, wie es bis zum Corona-Lockdown war: zu Ausstellungen, Ateliergesprächen, Lesungen für alle Altersgruppen, zu Performances und Workshops. Man möchte schon vor Biennale-Start vieles wissen, so die Kuratoren einhellig. Und allem Unbill zum Trotz gehe es in den Arbeiten dieser Biennale, von denen viele extra für den Ort Berlin geschaffen werden, „um die Schönheit des Lebens, obwohl die Welt um uns her in Flammen steht“. Es gehe um Fragen, wie wir Menschen auf unsere Welt und aufeinander achten. Eine bessere Maxime für eine Schau junger Weltkunst trotz Corona ist derzeit eigentlich kaum denkbar.

ExRotaprint, bis 25. Juli, Bornemannstr. 9, Do-Sa 14-19 Uhr, Anmeldung für Zeitfenster: 11.berlinbiennale.de