Das Bücherregal ist ein zweites Mal durchgelesen, die Lieblingsserie an ihr Ende  gekommen? Dann schauen Sie doch mal hier: 

Streaming

Hatufim ist hebräisch und bedeutet entführt. In einem Folterkeller im Libanon haben die israelischen Soldaten Uri und Nimrod 17 Jahre vegetiert. Dann kommen sie frei und das ist der Moment, in dem die Serie einsetzt. Die grausame Vergangenheit der beiden Männer wird geschickt mithilfe von Backflashs in Szene gesetzt, wie sie für Traumatisierte typisch sind. 2013 wurde die erste Staffel ausgestrahlt, nun ist sie zusammen mit der zweiten bei Arte zu sehen. Die Serie ist so gut, dass ihr Autor Gideon Raff aufgefordert wurde, sie für den US-Markt zu adaptieren. So entstand „Homeland“. Aber „Hatufim“ ist das Original, das einem einiges über die israelische Gesellschaft lehrt. 
Hatufim Staffel 1 und 2, Arte Mediathek (Susanne Lenz)

In den Weiten des Internets gibt es viele zweifelhafte Informationen über wissenschaftliche Themen. Das zeigt sich im Zuge der Corona-Pandemie einmal mehr. Über RNA-Impfstoffe zum Beispiel kursieren viele Behauptungen, Gerüchte und Unwahrheiten. Zum Thema RNA-Impfstoff macht das gut verständlich und unterhaltsam der promovierte Molekularbiologe und Science Slammer Martin Moder: „Warum die RNA-Impfung dein Erbgut nicht verändert – Und wie genau sie funktioniert“. In gut zehn Minuten erklärt er die Zusammenhänge. Jahreszeitlich passend dient eine mit Nelken gespickte Orange als Coronavirus-Modell. Mehr als 100.000 Aufrufe hat das Video schon. (Anne Brüning)

700 Stunden Film, die größte Filmkulisse Europas + ein Oligarch, der alles finanziert = DAU. DAU steht für den sowjetischen Physiker Lew Dawidowitsch Landau und das Wahnsinnsprojekt des Regisseurs Ilya Khrzhanovskiy. Er ließ DAUs Institut als abgeriegelte Filmkulisse originalgetreu nachbauen: Ein stalinistisches Retro-Universum, in dem drei Jahre rund 400 Menschen lebten und dafür ihr normales Leben auf Eis legten. In Kritik geriet Khrzhanovskiy wegen seines angeblich diktatorischen und sexistischen Arbeitsstils, der für echten Sex und echte Gewalt vor der Kamera sorgte – wobei die Mitspieler jederzeit Stopp sagen konnten. Aus dem Material entstehen gerade weitere Filme (https://www.dau.com). Egal, wie man das Projekt findet, es ist Stoff zum Diskutieren für ein ganzes Wochenende. (Jenni Roth)

Mal anders spazieren gehen

Natürlich darf man auch die Wohnung, das Haus verlassen. Eben halt nur allein oder mit den Mitgliedern des eigenen Hausstandes. Und damit das nicht langweilig wird, muss der Spaziergang verfeinert, vertieft , gehoben werden. Das gelingt – alles zugleich – mit der berlinhistory.app. App laden, das gewünschte Gebiet eingeben, loslaufen und staunen. Die App zeigt die nächstgelegenen historischen Orte und viele Informationen dazu – egal ob ehemalige Fluchttunnel, Stolpersteine, verschwundene Bauwerke oder Denkmäler. (Maritta Tkalec)

Bücher

Der Lockdown macht es uns ja ziemlich leicht in Sachen Nachhaltigkeit: Lange war nicht mehr so viel Zeit für Kochen, Wiederverwerten und Nähen da – für Aufbewahren, Sortieren und Planen. Doch wie ist es, wenn wieder Normalität in den Alltag kehrt? Wenn schneller bestellt als gekocht oder hergestellt wird? Hierfür hat die Autorin und Avocadostore-Gründerin Mimi Sewalksi ein Buch geschrieben. „Nachhaltig leben jetzt!“ gibt gute Tipps, wie man im Alltag mit wenig Zeit nachhaltig leben kann und erklärt sachlich und mit Grafiken, warum das eigentlich so notwendig ist. Mimi Sewalski: Nachhaltig leben jetzt! Knesebeck, 28,00 Euro. (Nadja Dilger)

Während Berlin im ersten Lockdown war, hat (zumindest das junge Berlin) diesen Roman gelesen: Leif Randts „Allegro Pastell“. Der 1983 geborene Schriftsteller erzählt von der Hauptstadt, wie sie vor dem Lockdown war, aber nicht nur: Es geht um ein junges Paar, das eine Fernbeziehung zwischen Berlin und Frankfurt führt. Zwischen Jerome und Tanja ist alles okay, aber so richtig leidenschaftlich geht es nicht mehr zu. Ist das schon ein Grund für die Trennung? Ein Text über die Millennial-Generation und ihre postironische Art, kühl und distanziert mit Problemen umzugehen. Beim Lesen hofft man darauf, dass wir bald wieder in einer Zeit leben werden, in der das größte Problem darin besteht, zu entscheiden, auf welche Party man geht. (Tomasz Kurianowicz)

Spiele 

Skyjo hat nichts mit Skifahren zu tun. Es ist müßig, über den Namen des 2015 im Eigenverlag  veröffentlichten und mittlerweile mehr als 200.000-fach verkauften Kartenspiels nachzudenken. Man sollte sich lieber an seinen vielen Vorzügen erfreuen: Es lässt sich zu zweit genauso gut spielen wie in Familie. Die höchstmögliche Anzahl von acht Personen werden wir allerdings nicht einmal Weihnachten erreichen. Von den 150 farbigen Karten mit den Werten von -2 bis 12 werden pro Mitspieler 12 verdeckt ausgegeben. Nach und nach legt man sie offen beziehungsweise tauscht sie gegen Karten vom Stapel. Je niedriger der Wert, desto besser. Deshalb darf man auch ein bisschen nachdenken, um geschickt zu tauschen. Die Anzahl der Runden variiert je nach Punktezahl. So ist dieses einfache Spiel jedes Mal anders. Ca. 12 Euro. (Cornelia Geißler)

Musik

Für Weihnachtsmusikhasser sieht es bis jetzt gut aus: Große Shopping-Touren, bei denen man mit „Last Christmas“ beschallt wird, sind nur bedingt möglich – Weihnachtsmarktbesuche ebenso. Jetzt ist also die Zeit, sich seinen eigenen Soundtrack zu gönnen und dafür könnten die zwei neuen Alben von Autechre nicht besser sein: Das britische Techno-Duo hat mit „Plus“ und „Sign“ zwei IDM-Werke veröffentlicht, die so unrhythmisch und unförmig sind, dass es die Tante als Krach bezeichnen würde. Sie spielen damit aber wunderbar die Gegenwart wieder, wie sie aktuell ist: unplanbar, chaotisch, wirr, einsam – auf eine Art aber auch spannend, herausfordernd, kreativ. Autechre: „Plus“ und „Sign“ (Warp Records) je 24,99 Euro. (Nadja Dilger)

DVD

Verfilmungen von Stephen-King-Romanen und -Geschichten sind immer so eine Sache. Sie können wahnsinnig spannend und unheimlich sein („Carrie“, „Shining“, „Christine“), mittelmäßig wie „ES“ und „Doctor Sleep“ oder total vergurkt wie „Castle Rock“ oder „Kingdom Hospital“. Ein absoluter Glückstreffer hingegen ist „Der Outsider“ nach dem gleichnamigen Roman des Horrorkönigs von 2017. Die Miniserie um das klassische Doppelgängermotiv und die Frage, wie man beweisen kann, dass man nicht der gesuchte Killer ist, sondern jemand, der ganz genauso aussieht wie man selbst, ist nach der Ausstrahlung auf Amazon Prime nun schon auf DVD erschienen und wer nicht streamen möchte, dem sei der Zehnteiler als Anschaffung noch vor dem Fest empfohlen. Zehn Folgen hält die Serie das Gefühl einer dumpfen Bedrohung und eines grausigen Nervenkitzels aufrecht, ohne in der Spannungskurve abzufallen, was auch an der fantastischen Musik von Danny Bensi und Saunder Jurriaans liegt. Ein tolles Grauen!!! The Outsider (2020), etwa bei Amazon 24,36 Euro (Marcus Weingärtner)

Podcast

In der neuen Reihe „Quarks Science Cops“ der Quarks-Redaktion des WDR setzen sich Maximilian Doeckel und Jonathan Focke mit Thesen von Corona-Kritikern auseinander. Zum Beispiel mit denen von Sucharit Bhakdi, ein emeritierter Professor, der bis 2012 das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz leitete. Er hat mit seiner Frau, der Biochemikerin Karina Reiß, das Buch „Corona Fehlalarm?“ geschrieben. Im Wikipedia-Eintrag zu dem Werk steht: „Die im Buch getroffenen medizinischen Aussagen sind nach Auffassung von Fachwissenschaftlern tendenziös oder nicht belegbar.“ Zu diesen Fachwissenschaftlern gehören zum Beispiel gleich mehrere Gremien der Universität Kiel, an deren Hautklinik Karina Reiß eine Arbeitsgruppe leitet. Die Science Cops klären in dem Podcast „Die Akte Bhakdi“ auf – und ganz am Ende erfährt man, warum sich Falschbehauptungen halten und halten und halten. Am besten also bis Minute 54 hören. (Anne Brüning)