Berlin - Ihr Gesicht mutet an wie eine zerklüftete Landschaft. Ihr Gang ist der einer Priesterin. Wenn sie spricht oder singt, kommt alles sonst zum Schweigen. Die greise Mantoa begibt sich noch einmal zu ihrem Dorf in den Bergen, sie will heimkehren in den Schoß der Erde, dem sie entstammt. Der Friedhof mit allen geliebten Ahnen soll auch ihre Wohnung werden. Doch als sie im Tal zwischen den bewaldeten Bergen ankommt, stößt sie auf Ungeheuerliches: Die Grabstätten sind von Müll überhäuft, die verbliebenen Familien haben resigniert, es gibt nichts mehr zu tun, weder für die Lebenden noch für die Toten. Denn Spekulanten haben das einst paradiesische Tal an sich gerissen, ein gigantischer Staudamm soll erreichtet werden. Bäume, Tiere, Häuser, Gräber – alles muss weichen, und das schon bald. Mantoa vertagt ihr Vorhaben. Sie kann jetzt noch nicht sterben. Sie wird zur Rebellin, schiebt ihren Tod auf, um die Lebenden zu retten.

Der Spielfilm „This is not a Burial, it's a Resurrection“ (Das ist keine Beerdigung, sondern eine Auferstehung) aus dem von Südafrika umschlossenen Königreich Lesotho kommt nach triumphalen Aufführungen in Venedig und Sundance endlich auch nach Berlin; leider vorerst nur in der Online-Ausgabe des diesjährigen „Afrikamera“-Festivals. Hoffentlich schließt sich „in normalen Zeiten“ ein reguläres Kinoabspiel auch in Deutschland an. Denn das zweistündige Opus von Lemohang Jeremiah Mosese entfaltet seine magische Energie erst auf großer Leinwand.

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