Anja Rützels Kolumne: Hodenlose Frechheiten!

Kanye West macht sich in Paris unmöglich, und der Jolie-Pitt Rosenkrieg erreicht eine neue Eskalationsstufe: Die Woche auf dem Boulevard mit Anja Rützel.

Trennungsquerelen: Angelina Jolie und Brad Pitt.
Trennungsquerelen: Angelina Jolie und Brad Pitt.DPA

Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Ach, fragen Sie nicht! Denn eigentlich weiß ich ja glücklicherweise selbst, dass die komischen Charaktere im sogenannten „Sommerhaus der Stars“ bei RTL größtenteils gar keine echten Menschen, sondern nur ausgedachte Fernsehfiguren sind. Weswegen ich mich also auch gar nicht über den wirklich vollumfänglich grässlichen, bizarr selbstverliebten und schockierend frauenverachtenden „Patrick“ aufregen muss – natürlich sind diese Denkweisen längst komplett überholt, solche Leute gibt es heutzutage gar nicht mehr. Ich bin trotzdem sehr wütend auf ihn und habe dabei leider alle meine Zornvorräte aufgebraucht, weswegen nur noch ein paar Grant-Reste für Kanye West übrig blieben, obwohl der sich definitiv mehr verdient hätte.

Ich nehme an, es geht um seine Entgleisung auf der Pariser Fashion Week – dort hatte er ein Shirt mit dem Aufdruck „White Lives Matter“ getragen, was man als rassistische Antwort auf die Black-Lives-Matter-Bewegung verstehen kann.

Und nicht nur das, er verteidigte das Shirt anschließend auch noch in einer Instagram-Story, in der er behauptete: „Jeder weiß, dass Black Lives Matter Betrug ist.“ Außerdem beleidigte er die Vogue-Journalistin Gabriella Karefa-Johnson, die ihn für sein Shirt kritisiert hatte. Das Magazin verteidigte sie glücklicherweise sofort, ebenfalls auf Instagram – ein bisschen ulkig ist es ja schon, wie sich diese Plattform vom Avocadobrotalbum zum gesellschaftlich relevanten Verlautbarungsforum gewandelt hat. Auch diverse Models unterstützten Karefa-Johnson öffentlich, zum Beispiel Gigi Hadid, die West wissen ließ, er könnte sich glücklich schätzen, wenn er nur „einen Teil ihres Intellekts“ hätte: „Du bist ein Tyrann und eine Witzfigur.“ Eventuell könnte West nun auch seine erfolgreiche und langjährige Kooperation mit Adidas verlieren. Man wolle „die Partnerschaft auf den Prüfstand stellen“, denn für die brauche es „gegenseitigen Respekt und gemeinsame Werte“, erklärte der Sportartikelkonzern, ausnahmsweise mal nicht bei Instagram.

Auch bei Angelina Jolie und Brad Pitt gehen die Trennungsquerelen unerfreulich in die nächste Runde: Jolie hat nun neue Details über jenen Flug von Kalifornien nach Frankreich öffentlich gemacht, bei dem Pitt vor sechs Jahren gegen sie und die gemeinsamen Kinder ihrer Aussage nach handgreiflich geworden sein soll.

Ja, und ihre Anschuldigungen sind nun wirklich nicht mehr als vernachlässigbarer Ehekrach zu verharmlosen: Sie wirft Pitt vor, sie und einige der Kinder geschüttelt, gewürgt, in einem Fall auch ins Gesicht geschlagen zu haben. Außerdem soll er Bier und Rotwein auf sie und die Kinder geschüttet haben. Das Pitt-Lager weist ihre Schilderung derweil als „komplett unwahr“ zurück und behauptet, Jolie würde ihre Anschuldigungen nach Belieben variieren, wie sie ihr gerade in den Kram passen: „Jedes Mal, wenn sie nicht bekommt, was sie will, fügt sie komplett unwahre Informationen hinzu.“ Ich sehne mich nach dem Stadium dieser Scheidung zurück, in dem sich die beiden einfach nur um ein olles französisches Weingut gezofft haben.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Endlich kann ich auf diese Frage einmal absolut verbürgte, weil direkt aus dem Munde der Künstlerin gesprudelte Intiminformationen ausplaudern: Helene Fischer war nämlich zu Gast beim ORF in der Sendung „Willkommen Österreich“, und die Investigativ-Interviewer Dirk Stermann und Christoph Grissemann entrangen der Sängerin prickelnde Details. Zum Beispiel die Info, dass Fischer ihr Eigenheim wärmedämmend gebaut hat, und dass sie gerne Spinatknödel, aber auch Speckknödel isst. Die Kollegin vom Standard, die diese breaking news dankenswerterweise rapportierte, hätte nur gern noch gewusst, wie Helene Fischer die neue Coverversion ihres Hits „Atemlos durch die Nacht“ gefällt, die das feministische Wiener Kunstprojekt Hyäne Fischer zu „Hodenlos an die Macht“ umgedichtet hat. Ich beschäftige mich ja nun schon sehr lange mit Fischer und nehme daher an, sie findet es eh leiwand.

Die Fragen stellte Christian Seidl.

Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.