BerlinTomasz Kuklicz kniet in der Fleischfabrik auf einer Matte und baut Körperspannung auf. Man könnte meinen, dass der muskelbepackte Mann in den nächsten Minuten ein Tier fachgerecht zerlegen möchte. Weit gefehlt. Vielmehr ist der nächste Schritt, mit seinem Körper in Einklang zu kommen. Dazu winkelt er seine linke Hand mittig vor der Brust an, atmet seelenruhig ein und aus. Kuklicz praktiziert eine Yoga-Figur. Möglich ist das an diesem Ort, weil das ehemalige Schlachthaus in einem Spandauer Gewerbegebiet bereits vor zehn Jahren zu einem Trainingszentrum für Sportler umfunktioniert wurde. Kickboxen, Kraftsportgeräte aller Art und genügend Raum für Yoga: Zu jener Zeit, als der Ausbau der Sportstätte Fortschritte machte, lag Kukliczs Karriere nahezu am Boden. Denn der als DJ Tomekk bekannt gewordene Kuklicz hatte nach seinem rasanten Aufstieg im Musikbusiness über Jahre einen hohen Preis für seinen Ruhm bezahlt: „Den Verlust der Kontrolle über mein eigenes Leben.“

Der gebürtige Pole folgt seinem 1985 emigrierten Vater im Alter von zehn Jahren nach Berlin. Eine komplett unbeschwerte Jugend ist Tomekk in Wedding nicht vergönnt. Sein Vater war Alkoholiker, schlug ihn meist, wenn er getrunken hatte. Doch beruflich weiß Tomekk früh, was er werden will: DJ. Die offenen Strukturen der 90er-Jahre in Berlins Kulturszene macht er sich zunutze, legt Platten in Hip-Hop-Clubs auf, baut sich ein erstes Netzwerk auf. Mit 17 bekommt er seine eigene Radioshow, 1999 klettert seine Debütsingle „1, 2, 3 Rhymes Galore“ bis auf Platz sechs der deutschen Charts – in einer Zeit, in der Hip-Hop in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Das Besondere an seinen Songs: Tomekk lässt Hip-Hop-Größen wie Flavor Flav oder Ice-T aus den USA mit deutschen Künstlern wie Curse oder Torch gemeinsam rappen und landet damit Erfolge. Er versteht es wie kaum ein Zweiter, interkontinentale Verbindungen zu kreieren. Durch seine Popularität schafft er es bis nach Los Angeles in die Playboy Mansion von Hugh Hefner. Genau diese umtriebige Art beginnt nach Jahren Kraft zu kosten. „Ich habe diese Entscheidung damals mit 16 so getroffen. Ich bin dankbar, dass ich es bis heute überlebt habe und besser drauf bin, als ich es mit 20 war.“

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