Das Bild zeigt die Künstler Kim Seo-Kyung und Kim Eun-Sung bei der Eröffnung einer Ausstellung im Herbst 2019 mit einer Hartplastik-Version der Friedensstatue.
Quelle: Koreaverband e. V.

BerlinEs ist nur wenige Monate her, dass Aktivisten weltweit die Statuen von Kolonialisten angriffen. In dem denkmalpolitischen Streit, der sich derzeit in Berlin-Moabit abspielt – im Schatten der „Trostfrauen“-Friedensstatue des Künstlerpaars Kim Seo-Kyung und Kim Eun-Sung – verkehren sich die Fronten. Nicht Aktivisten stören sich an ihr, sondern die Regierung, genauer: Japan. Und Berlin gibt nach. Dabei manifestiert sich in den Friedensstatuen keine historische Ungerechtigkeit. Nein, sie erinnern an eine. Nur will Tokio dies nicht wahrhaben.

Es ist ein trügerischer Euphemismus, der sich in dem Wort „Trostfrauen“ verbirgt: Junge Mädchen und Frauen im Alter zwischen 11 und 19 wurden im Zweiten Weltkrieg in von Japan besetzten Gebieten zur Prostitution gezwungen: „Sex-Sklavinnen“ wäre ein zwar weniger würdevoll klingendes, der Sache aber angemesseneres Wort.

Seit längerem sind die Friedensstatuen japanischen Nationalisten ein Dorn im Auge. „Sie abzubauen ist historische Amnesie und Zensur“, kommentiert die in Berlin lebende Künstlerin Christa Joo Hyun D'Angelo, die sich in ihrer Arbeit selbst mit japanischem Imperialismus und sexueller Gewalt auseinandersetzt. „Viele der Frauen wurden von ihren Familien zum Schweigen gebracht. Das Thema war extrem schambesetzt. Daher kam es erst in den letzten Jahren ans Tageslicht.“

Der Druck aus Japan ist groß: 2019 wurde auf einer Kunstmesse in Tokio eine Ausstellung, die eine Friedensstatue zeigte, abrupt geschlossen. 2017 wurden Erklärungstafeln einer Friedensstatue nahe Regensburg auf Druck der japanischen Botschaft entfernt. 2018 beendete Osaka seine Städtepartnerschaft mit San Francisco, weil man sich dort weigerte, eine ähnliche Statue zu entfernen. Selbst der Wikipedia-Eintrag „Friedensstatue“ ist derzeit von der Löschung bedroht.

„Das Bezirksamt Mitte konstruiert fadenscheinige Pseudo-Argumente, um Tokio gefällig zu sein“, kommentierte die Vorsitzende des Korea-Verbands Nataly Jung-Hwa Han die Berliner Politik. Auch Heiko Maas gerät dabei indirekt in die Kritik. Vom Berliner Senat erwarte man, dass er in der Sache Rückgrat zeige. Zu Recht.

Dass die Statuen des Künstlerpaars diplomatische Beziehungen derart ins Wanken bringen, hätten die beiden sich vermutlich selbst nicht ausmalen können.