Berlin - Schon vor Covid-19 hätte das Stadtmuseum seine neue Ausstellung „Berlin Global“ im Humboldt-Forum eröffnen können. Aber die anderen Partner waren bekanntlich noch nicht so weit. Also wurde verschoben, jetzt sollen sich ausgerechnet am 20. Juli die Tore öffnen – offenbar plant das Stadtmuseum, die Geschichte des einzigen halbwegs erfolgversprechenden deutschen Aufstands gegen die Nazis als positives, speziell berlinisches Erbe zu beanspruchen.

Es ist eine wortwörtlich atemberaubend gut gelaunte, anregende, aufregende Ausstellung. Klischeebilder sollen hinterfragt werden, indem man sie erst einmal aufruft: Berlin als Revolutionsstadt, als Stadt mit Freiräumen, die von üblen Investoren zugebaut werden, als Stadt der Grenzen, auch der inneren Grenzziehungen, als Stadt der Beziehungen – was wäre hier ein Kapitel schön gewesen über die reich entfaltete Berliner Korruptionsgeschichte, als Stadt traditioneller Toleranz gegenüber Minderheiten. Da ist das großartige, Widerspruch geradezu erzwingende Wandgemälde der Brüder How und Nosm im ersten Saal: War Berlin wirklich schon im 15. Jahrhundert Teil einer Welt, die von Portugal und Spanien aus neu geformt wurde? Aber genau das ist heute der Sinn solcher einst für Museen typischen Historien-Bilder – Fragen aufzureißen.

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