Hilfe, mein Mann ist in der Rente unglücklich!

Sie fragen, unser Experte für die Liebe antwortet. Diesmal: Wie geht man damit um, wenn ein Partner nicht mehr arbeitet? Wie verteilt man die Aufgaben neu?

Nicht jeder blüht im Ruhestand auf.
Nicht jeder blüht im Ruhestand auf.Jaroslav Frank/imago

Helga, 55: Lieber Herr Lenné, mein Mann ist zehn Jahre älter als ich und frisch in Rente. Was für andere einen schönen neuen Lebensabschnitt bedeutet, ist für ihn eine Qual. Er langweilt sich, fühlt sich nutzlos, tut aber gleichzeitig quasi nichts im Haushalt. In der Vergangenheit war das in der Ehe immer meine Aufgabe, weil er mehr gearbeitet hat. Nun, da die Dinge anders liegen, sehe ich das aber nicht mehr ein. Denken Sie, dass mein Mann sich auch mit 65 noch ändern kann?

Liebe Helga, oh je – das kann anstrengend sein. Die meisten Frisch-in-Rente-Gegangenen brauchen ein bis zwei Jahre, um sich einigermaßen neu zu orientieren. Es hängt auch ein bisschen davon ab, ob sie vorher schon ihre Freizeit genießen konnten oder ob sie nur für die Arbeit gelebt haben. Die Letztgenannten stehen oft vor einem großen Nichts. Manche haben auch erstmal einen kleinen depressiven Durchlauf, bis sie ihren neuen Lebenstakt finden. Leider ist auch die Sterblichkeit bei Männern in der Zeit um die Berentung etwas erhöht.

Deutliche Kommunikation, ohne Druck aufzubauen

Jetzt sind Sie erst 55 Jahre alt und wahrscheinlich noch voll in Arbeit. Ihr „armer Mann“ dagegen hat nun den ganzen Tag frei und muss ohne Sie seine neuen Lebensinhalte finden. Ihr Satz „Er langweilt sich, tut aber nichts im Haushalt“ ist eine geradezu ikonische Beschreibung dieses Zustandes. Ich habe ihn in meiner Praxis schon oft gehört.

Ihre Frage, ob er sich in Bezug auf den Haushalt noch ändern kann, möchte ich – statistisch gesehen – mit „Ja, sicher doch!“ beantworten. Ob und wie jetzt speziell Ihr Mann sich dahin weiterentwickeln will und wird, hängt zum einem davon ab, wie flexibel Ihr Mann bisher mit seinem Leben umgehen konnte. Hat Ihr Mann immer wieder gerne Neues gelernt, ist er neugierig und auch sozial interessiert? Zum anderen natürlich auch davon, wie Sie in Ihrer Ehe bisher mit Wüschen und Bedürfnissen umgegangen sind. Fällt es Ihnen beiden leicht, sich vom andern etwas zu wüschen? Oder sind Sie beide eher zurückhaltend? Sind Sie frei, nein zu sagen, wenn Sie einen Wunsch nicht erfüllen möchten? Oder erfüllen Sie ihn lieber, sind dann aber etwas schlechter gelaunt?

Mein Tipp ist: Versuchen Sie, Ihre Bitten um eine neue Lastenverteilung im Haushalt so vorzutragen, dass er sie schon deutlich hört, sich aber noch nicht unter Druck gesetzt fühlt. Lassen Sie ihm dabei etwas Zeit – er muss sich ja gerade neu erfinden. Bleiben Sie beharrlich und standhaft und lieben Sie ihn dabei einfach in Ruhe weiter.

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