Das Konzert der Smashing Pumpkins im Kesselhaus hat noch nicht angefangen, da kommen zwei sich in den Armen liegende Kumpels herein: „Des isch MEGAGEILER Rock!“ brüllt der eine. Sie drängeln in Richtung Bierstand am Ü40-Publikum vorbei. „Entspannt euch mal“, rufen sie denjenigen zu, die zwischen ihnen und dem Bierstand stehen und somit aus dem Weg geräumt werden müssen.

Dann kommt Glatz- und Oberkürbiskopf Billy Corgan auf die Bühne. Applaus. Von der alten Smashing-Pumkins-Besetzung ist nur noch er, der Sänger und Gitarrist, übrig geblieben. Die alte Truppe, Gitarrist James Iha, Bassistin D’arcy Wretzky und Schlagzeuger Jimmy Chamberlain, mit denen er die größten Hits der Band aufgenommen und damit in den 1990er-Jahren dem Grunge-Rock die vielleicht süßesten und besten Melodien eingeflößt hat, wollen nicht mehr mit ihm auf Tour gehen und auch nicht ins Studio. Die Zeiten der Zweckgemeinschaft sind vorbei. Diese Band hat zu sehr unter den Spannungen zwischen den Mitgliedern gelitten. Da war zu viel Heroin bei Chamberlain im Spiel; eine Beziehung zwischen Wretzky und Iha ging in die Brüche; und dann ist da auch noch das sich angeblich über alles stülpende, tyrannische Über-Ich des Kontroll-Freaks Corgan, das das Zusammenspiel schwierig macht, wenn man eine Band ist, aber die Band eigentlich zu stark von Billy Corgan dominiert wird.

An diesem Abend hat sich Corgan als Mitmusiker Mark Stoemer und Brad Wilk ausgesucht, erfolgreiche Instrumentalisten, die schon auf den größten Festivals gespielt haben: Wilk als Schlagzeuger von Rage against the Machine und Stoemer als Bassist von The Killers. Mit Jeff Schroeder an der Gitarre arbeitet Corgan schon seit 2007 zusammen. Sie spielen zunächst „One and All“ vom neuen Album „Monuments to an Elegy“, das beste Stück des Albums, wie ich finde.

Diese unverkennbare Maunz-Stimme von Corgan, sein Sinn für Melodie im Gitarrenspiel und die Abmischung des Sounds katapultieren das Publikum in die 1990er-Jahre zurück. Sie spielen dann auch die Lieder aus den erfolgreichsten Zeiten: „Tonight, Tonight“, „Disarm“, „Bullet with Butterfly Wings“ – Hits, die auch in den entlegensten Dorfdiscos gespielt wurden. Da singt dann auch das gesamte Kesselhaus mit; einige Pärchen schmusen miteinander bei den romantischen Stücken, und wenn es dann hart wird, Billy Corgan und Konsorten bei vier auf das Verzerrerpedal treten, dann wird auch mal gemoscht.

Es war insgesamt ein gutes und lautes Rock-Konzert, bei dem nur bei den alten Hits das etwas zu kraftvoll-einfache Spiel des Schlagzeugers Wilk negativ auffiel. Wilk spielt nicht so filigran, wie es die Gitarrenmelodien vertragen könnten. Und auch die Coverversion von David Bowies „Fame“ hat mir überhaupt nicht gefallen. Das Gepose von Corgan – manchmal spuckt er in der Gegend herum – kann nerven, aber die Melodien kompensieren das.