Berlin - Was für eine Stimmungslage: Die Erleichterung bei etlichen der rund 600 privaten Galeristinnen und Galeristen der Stadt ist sogar am Telefon hörbar: Sie dürfen während des verordneten Lockdowns offen bleiben. „Noch“, so der fatalistische Nachsatz. Die Erklärung vom Bundesverband deutscher Galerien entspannt erst mal: Der Kunsthandel gehört zum Einzelhandel. Wie Drogerien, wie Getränke-Hoffmann. Der 1. November darf sogar Open Sunday sein.

Die Museen und Ausstellungshäuser, wie etwa das Haus am Waldsee, der Neue Berliner Kunstverein, das Haus der Kulturen, aber müssen schließen, ganz egal ob staatlich, kommunal oder privat. Am Telefon klingen die Museumsleute gelassen. Man nimmt es hin. Die Situation, so die Auskunft bei den Staatlichen Museen, sei nicht existenziell, so wie bei den freien Häusern, den Soloselbstständigen in Kunst  und Kultur. Man werde die gerade erst eröffneten Ausstellungen eben verlängern. Also Vollbremsung von der Museumsinsel übers Kulturforum und den Hamburger Bahnhof bis zur Charlottenburger Schloss-Straße, von der Berlinischen Galerie zum Stadtmuseum. Es betrifft das Brücke-Museum, den Gropius-Bau ebenso wie die Akademie der Künste oder das private DDR-Museum. Berlin hat 170 Museen. Die Rollos gehen runter.

Freitagnachmittag herrscht jedoch noch völlige Unklarheit bei den kommunalen Galerien. Die Kulturamtsleiter der Stadtbezirke „kämpfen noch ums Offenbleiben“, heißt es im Haus am Kleistpark. Das Haus mit seiner diversen Nutzung ist ein Absurdistan: Die Foto-Ausstellung, die bei strengsten Hygieneregeln immer nur fünf Besucher (auf 80 Quadratmetern) empfängt, muss wohl schließen. In der Etage darunter aber, in der Musikschule, „steppt der Bär“, so die Galerieleiterin. Und auch die ebenso im Haus untergebrachte Yoga- Gruppe der Volkshochschule darf aktiv bleiben, während das freie Yoga-Studio schließen muss.

Ein Infektionsschutzgesetz mit zweierlei Maß? Völlig unverständlich wirkt die amtliche Einordnung von Kunst und Kultur, sonst von der Politik doch gern „Lebensmittel“ genannt, nun als „Freizeitgestaltung“, also Unterhaltung, Zeitvertreib, Vergnügen – und damit derzeit als verzichtbar, gar „gesundheitsgefährdend“?!