Interaktiv: Die Besucher können sich durch einen Laser-Parcours schlängeln.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin MitteWer träumte nicht schon als Kind davon, irgendwann Geheimagent zu werden? Alle, die am Ende doch einen anderen Beruf wählten, können diesem Haus einen Besuch abstatten: Das Spionagemuseum am Leipziger Platz wurde in den vergangenen Jahren nach und nach umgebaut – jetzt kann hier jeder zum Agenten werden.

Der Umbau der seit 2015 geöffneten Dauerausstellung fand, wie in der Agentenwelt üblich, im Geheimen statt. „Wir nutzten die Nächte, um nach und nach einzelne Bereiche zu erneuern, mit neuen Exponaten zu bestücken“, sagt Museumsdirektor Robert Rückel. „Etwa 80 Prozent der Ausstellung haben sich in der Zeit verwandelt.“ Die Kosten für den Umbau: rund 800000 Euro.

Rückel, der zuvor das DDR-Museum in der Karl-Liebknecht-Straße leitete, legte bei der Umstrukturierung Wert auf interaktive Bereiche – ein Museum kann heute nicht mehr nur ein Museum sein. „Eine Ausstellung wird in der Freizeit besucht. Wir konkurrieren mit Kinos, Freizeitparks und Biergärten“, sagt er der Berliner Zeitung. In der überarbeiteten Ausstellung können sich Besucher deshalb durch einen Laser-Parcours schlängeln, durch Lüftungsschächte kriechen, an einem Lügendetektor Platz nehmen, in einem nachgebauten Büro nach Wanzen suchen und Tresore knacken.

Riesige Artefakte-Sammlung

Der Fokus bleibt aber auf der riesigen Artefakte-Sammlung, die die Experten über die Jahre zusammentrugen: Rund 1200 Objekte aus der Agenten-Geschichte gehören zum Museum, 600 davon sind in der Schau zu sehen, auch Neuanschaffungen. Darunter der „Abhorchapparat BW Poppr“, ein Abhörgerät für Feldtelefone. Es zeigt, dass Spione stets mit der Zeit gingen. „Kaum waren die Telefone erfunden, entwickelte man passende Spionagetechnik“, sagt Rückel.

Die Lippenstift-Kamera ist nur eines der mehreren tausend Objekte aus der Agenten-Geschichte.
Foto: BLZ/ Markus Wächter

Auch eine Lippenstift-Kamera, die vom KGB für Agentinnen gebaut wurde, schmückt nun die Vitrinen. Wenn die Agentin den Stift aufdrehte, öffnete sich das Objektiv am Boden. Außerdem eine Deo-Flasche, in der ein Agent der DDR-Stasi geheime Unterlagen versteckte. Das Besondere: Im Inneren war eine Mini-Flasche eingebaut, das Deo konnte also benutzt werden – die perfekte Tarnung.

Am Donnerstag wird der Neustart gefeiert, mit dem zugleich der Betreiberwechsel von 2016 abgeschlossen wird. Und: Die Entwicklung soll nach und nach weitergehen. „Wir widmen uns verstärkter aktuellen Themen“, sagt Robert Rückel. „Früher hörte man Wohnzimmer mit Wanzen ab, heute stellen wir uns bereitwillig Alexas hin. Auf solche Probleme wollen wir auch aufmerksam machen.“