David Chipperfield ist Architekt des Neuen Museums und der James-Simon-Galerie
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BerlinDie Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht zweifellos heftig unter Druck, ihr 364,2-Millionen-Projekt Museum der Moderne in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Also lud sie, gemeinsam mit Bertelsmann, ZDF, 3sat-„Kulturzeit“ und Deutschlandradio, zum ersten „Blauen Sofa“ in die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel. Thema des Abends vor geladenen Gästen: Bauen für die Kunst. Was, darüber waren sich alle Versammelten schnell einig, nicht Selbstzweck sein kann, sondern immer Bauen für die Gesellschaft heißt.

Die Runde auf dem Podium war erlesen: David Chipperfield, Architekt des Neuen Museums und der James-Simon-Galerie; Regine Leibinger, die zwar bisher nicht als Architektin von Kulturbauten hervortrat, aber durch Projekte wie den Total-Turm am Hauptbahnhof mit radikaler Ästhetik Aufsehen erregte; HG Merz, dem wir die Sanierung der Alten Nationalgalerie, der Staatsoper, der Alten Staatsbibliothek verdanken; Franco Stella, der Architekt des Humboldt-Forums, und Jacques Herzog, der Architekt der umstrittenen „Scheune“ für die Nationalgalerie-Sammlungen.

Erste Frage also: Was ist ihre Beziehung zu Berlin? Regine Leibinger, mit feinem süddeutschem Akzent: „Ich lebe und arbeite hier seit dem Studium.“ HG Merz ist trotz seiner vielen Berliner Projekte erst vor zwei Jahren hierher gezogen – „davor habe ich die Stadt nicht ertragen“. Warum nicht, wüsste man nun gerne, aber schon muss, die Moderatorin treibt an, Herzog antworten. Er teilt mit, dass Berlin in den Neunzigern zu ideologisiert gewesen sei, erst jetzt für sie, die Künstlerarchitekten, interessant werde.

Nur Chipperfield liebt Berlin

Könnte das auch am Markt gelegen haben? Franco Stella geißelte mal wieder „die Moderne“ und pries sein Lebensprojekt Berliner Schlossnachbau als die Wiedergewinnung der Stadträume mit Plätzen, Straßen, Höfen. Und Chipperfield? Er als Einziger zeigte seine Liebe zu dieser Stadt: Hier wüsste die Bevölkerung „sehr genau, wie sie ihre Stadt haben will“. Und gleichzeitig sei Berlin „ein Labor“. Herzog konstatierte nüchtern, das sei doch in allen großen Städten so, auch die Debatten gäbe es oft, weil sich die Menschen – Stichwort Kulturforum – auch an das Negative so gewöhnt hätten, dass sie es behalten wollten. Und HG Merz focht für die Bedeutung der Geschichte, die auch manches weniger großartige Bauwerk adle.

Wieder war es nur Chipperfield, der eine politische Schlussfolgerung wagte: Er forderte öffentliche Räume ohne Investoreneinfluss, in denen die Menschen sich treffen könnten. Sozialwohnungen und Parkanlagen seien genauso wichtig wie Kulturbauten, um eine Radikalisierung der Menschen zu verhindern. Sonst drohten Museen oder Konzerthäuser zum Feigenblatt zu werden. Applaus. Aber man muss noch mal über das Format nachdenken: Architektur ist zu vielfältig, um von gleich fünf Gästen im derart straffen Zeittakt debattiert zu werden.