Die Ordnung der Dinge: „Zum Beispiel Bienen“.
Foto: Xavier Ballester

BerlinGanz schön laut, so eine Sommerwiese! Drei verschiedene Grillenarten zirpen – und mit Ratschen, Klettband, Kämmen stimmt das Publikum ins Grashüpferkonzert mit ein. Im Mitmachmoment öffnet das Berliner Musik-Theater-Kollektiv DieOrdnunDerDinge seine Performance „Zum Beispiel Bienen“ in den Zuschauerraum.

Corona-bedingt haben im kleinen Feld-Theater nur rund dreißig Kinder und Erwachsene Platz. Aber sie sind ganz dabei, als die vier Performer in ihren Bienenkostümen mit flauschig bepelzten Leibern zur Erklärstimme aus dem Off vorführen, wie komplex die Arbeitsabläufe in einem Bienenstock sind. Larven füttert Iñigo Giner Miranda und Vera Kardos fegt, während Meriel Price Wachs um Waben knetet und Cathrin Romeis, die Pollen aus Fell sortiert, immer mal Honig kostet. Dazu ertönt ein Summen, Knistern und Klacken. Unheimlich wabert ein Synthesizer, wenn die Bienen ausschwärmen, um mit ihrer Königin eine neue Bleibe zu finden. Fröhlich baut das Performer-Quartett mit Einzeltönen aus Cello, Violine und Saxophon eine kleine Melodie, als sich eine mit Glühbirnen behaglich beleuchtete „Spechthöhle“ für den Schwarm gefunden hat. Und mit Disco-Grandezza hat die Königin im gold-schwarzen Glitzebrachterkostüm ihren Auftritt. Ganz nah werden dem Zuschauer Bienen, Grashüpfer und Fruchtfliegen gebracht, mit schrägem Humor und szenischer Phantasie.

Eva Keller Meyer „Death Is Certain“
Foto: Lucas Fester

Darstellende Kunst zwischen den Sparten ist die Spezialität des Feld Theaters für junges Publikum. Vor zwei Jahren erhielten Gabi dan Droste, Susanne Beyer und Martin Nachbar kurzfristig den Senats-Zuschlag für ihr Konzept, nachdem das Puppentheater Hans Wurst Nachfahren, nach 37 Jahren und Querelen mit Eigentümer und Senat, sein Haus am Winterfeldtplatz aufgab.

Zum Start 2019 zeigte das neue Leitungs-Trio mit den „Feldspielen“, wie es sich ein für alle Generationen und Genres offenes Theater vorstellt. Als erste Eigenproduktion entstand „Mitgefühl und ohne“ von Franziska Henschel, das einfühlsam und hochkomisch Sinneseindücke und Gefühle in Musik, Tanz, Gebärdensprache übersetzt. Wiederaufgenommen wird es im Oktober. Premiere hat dann auch „Fliegen üben“ des Berlocken Kollektivs; und mit dem Gastspiel „Frida und das Wut“ startet die Veranstaltungsreihe Kipppunkte. Intergenerationell im Sinn des Feld-Theaters ist Eva Meyer-Kellers Performance „Death Is Certain“, wo Erdbeeren mithilfe haushaltsüblicher Gegenstände einen makabren Foltertod erleiden: Ihre 18 Jahre junge Arbeit hat Meyer-Keller soeben an ihre Tochter weitergereicht.

„Zum Beispiel Bienen“, Sonntag, 27. September um 15:00 Uhr / „Mitgefühl und ohne“, 2.-3. Oktober / „Frida und das Wut“, 9.-10. Oktober / Premiere „Fliegen üben“, 29.-31. Oktober / „Death is Certain“, 30.-31. Oktober 2020, https://jungesfeld.de