Die Perspektive wird volljährig. Vor 18 Jahren wurde die Nachwuchssektion der Berlinale aus der Taufe gehoben, vom damals neuen Direktor Dieter Kosslick, wie Linda Söffker betont, die Sektionsleiterin. Aber auch sie hat in den letzten Jahren einen guten Job gemacht und dem jungen Ding ein Profil verschafft. Es gibt ihn, den typischen Perspektive-Film. Er handelt, natürlich, von jungen Leuten. Das ist aber noch nicht alles. In die Perspektive kommen Filme, hat man das wunderbare Gefühl, die bei jedem Berlinale-Relevanz-Check durchgerasselt sind. Weil die jungen Leute nichts als Liebe im Kopf haben.

Es gibt keine sonstigen schweren Themen, keine betroffenen Blicke und minutenlanges Schweigen. Stattdessen wird geflirtet, gelacht, gewundert und allerhöchstens tragikomisch gelitten, immer irgendwie schräg zum Leben. Klingt furchtbar läppisch, ist es auch manchmal, wird aber geadelt durch einen Hauch engagierter Ambitionslosigkeit, hinter dem man Kalkül vermutet. Allzu viel Ehrgeiz scheint unerwünscht. Der „German Mumblecore“, die Essenz dieser anderen Art des Filmemachens, hatte hier über Jahre seine Heimat.
Das ist alles groß verallgemeinert, vorbei an Dutzenden Gegenbeispielen, dennoch hier die steile These: May Spils’ Film „Zur Sache Schätzchen“, dieses Jahr in der Retrospektive platziert, wäre 1967 in der Perspektive gelaufen.

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