Schauspieler Jeremy Irons.
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BerlinZu den Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung des Programms der Berliner Filmfestspiele gehört es, Berühmtheiten in die Stadt zu bringen. Denn in der Wahrnehmung der nur leicht filmaffinen, aber am Glamour interessierten Öffentlichkeit steigt die Wertschätzung der Berlinale mit jedem Promi auf dem roten Teppich.

Mit dem Präsidenten der Internationalen Jury ist nun ein echter Star gefunden: der 71 Jahre alte britische Film- und Theaterschauspieler Jeremy Irons.

Viele bedeutende Regisseure haben ihn besetzt, so Bille August, Bernardo Bertolucci, Louis Malle, Volker Schlöndorff, Steven Soderbergh, István Szabo. Ohne große Arbeit der Masken- und Kostümabteilungen hat er in vierzig Jahren die verschiedensten Charaktere verkörpert. Irons ist extrem wandelbar in der Darstellung, obwohl man ihn stets erkennen kann. Er erhielt einen Oscar und zwei Golden Globes.

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Anfeindungen für seine Rolle des Humbert Humbert

Beispielhaft für seine Kunst ist David Cronenbergs Film „Die Unzertrennlichen“ von 1988, in dem er zwei Gynäkologen spielt, ein Zwillingspaar Anfang vierzig, das sich im selben Beruf niedergelassen hat, in einer merkwürdigen Abhängigkeit voneinander lebt und dann auf gespenstische Weise auseinanderdriftet. Fünf Jahre später spielte er in Adrian Lynes Verfilmung von Nabokovs „Lolita“ den pädophilen Humbert Humbert so, dass er angegriffen wurde für seine sichtbare Verführungskunst.

Jeremy Irons: Schaut er spätabends noch Filme?

Jeremy Irons sieht unter den Augen immer schon so aus, als hätte er einen Tick zu wenig geschlafen – je nach Rolle lässt sich ein geheimnisvoller, schrecklicher oder romantischer Grund dahinter vermuten. Vielleicht sieht er noch spätabends Filme. Mit täglich bis zu drei Wettbewerbsbeiträgen, die er für die Berlinale-Jury nun ab 20. Februar zu sichten hat, dürften die Schatten nun nicht blasser werden.

Für die Wahl zum Jurypräsidenten bedankte sich Jeremy Irons Berlin-freundlich: So habe er „die Gelegenheit, in diese großartige Stadt zurückzukehren“. Und natürlich das Kino: Er freue sich, „die ausgewählten Filme anzusehen und deren Vorzüge mit meinen Jurykollegen zu diskutieren“.