BerlinBei der Berlinale sind sie noch nicht so weit. Doch der Kultursenator, auch wenn er die Entscheidung nicht zu treffen hat, hat wohl recht, wenn er sagt, dass die 71. Berliner Filmfestspiele im Februar 2021 kaum im üblichen Format stattfinden werden.

An ein übliches Festival haben auch die Berlinale-Leiter Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian nicht geglaubt, als sie im August ankündigten, die Berlinale physisch stattfinden lassen zu wollen. Damals überlegten sie, wie sich ein Festival unter Einhaltung der Hygieneregeln verwirklichen lassen würde. Damals waren die Kinos offen, die Infektionszahlen niedrig.

Als wir mit den beiden Ende September sprachen, war Carlo Chatrian gerade aus Venedig zurückgekehrt, vom einzigen großen europäischen Filmfestival, das in diesem Jahr stattfinden konnte. Er sprach von einer Glückserfahrung, von einem Energieschub für die Branche, den sie so dringend nötig habe. Man spürte seine Euphorie. Und so haben sie im Glauben an ein physisches Festival weiter geplant, haben geglaubt, dem Virus von der Schippe springen zu können, wie schon im Februar 2020, als die Berlinale als eine der letzten Großveranstaltungen in Europa gerade noch stattfinden konnte. Anfang des Monats noch verschickte die Berlinale Einladungen an die Journalisten in der ganzen Welt, mit der Aufforderung, sich zu akkreditieren.

Foto: D. Bedrosian/ Future Image
Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian bei der Berlinale 2020.

Da waren die Infektionszahlen wieder hoch, die Kinos wieder zu, und nun ist die Welt überzogen von einem unübersichtlichen Gewirr aus Quarantäne- und Lockdown-Regeln. Dass Menschen von überall her im Februar nach Berlin strömen, ist ausgeschlossen.

Die Berlinale-Leiter machen gerade etwas durch, was die meisten von uns dieses Jahr auch erlebt haben. Sie müssen sich von einem Vorhaben verabschieden, an dem ihnen sehr viel liegt. Wobei die Berlinale mehr ist als ein persönlicher Plan. Für viele Filmemacher, für die jungen Regisseure, Kameraleute, Drehbuchschreiberinnen, die als Talents nach Berlin kommen sollten, ist 2021 ein verlorenes Jahr. Mancher Film wird es nie in die öffentliche Wahrnehmung schaffen, manche Begegnung nie stattfinden. Deshalb fällt es den Berlinale-Leitern so schwer, diese Entscheidung zu treffen. „Wir prüfen aktuell die Durchführbarkeit des Festivals“, entgegnete Mariette Rissenbeek Lederer. Sehr bald werden wir von ihr und Chatrian hören.