Wenn man Glück hat, wird am Ende gut über einen geredet. Und wenn man richtig viel Glück hat, kann man das selbst auch noch hören. Dieter Kosslick, der im Mai aus dem Amt scheidende Intendant der Internationalen Filmfestspiele Berlin, war am Freitag zur Mittagsstunde ein glücklicher Mensch.

Im großen Empfangsraum der Botschaft Frankreichs mit Blick auf den februargrauen Pariser Platz durfte er zunächst einer Rede des französischen Kulturministers Franck Riester lauschen und sich dann von ihm die Insignien eines Kommandeurs im Orden für Kunst und Literatur anlegen lassen.

Minister lobte Dieter Kosslicks Arbeit als Berlinale-Boss

In der Rede begründete der oberste Kulturpolitiker der französischen Republik, warum Kosslick einen dieser weltweit streng auf 50 Stück pro Jahr limitierten Orden, die höchste kulturelle Auszeichnung Frankreichs, bekam.

Der Minister lobte vor allem Kosslicks Arbeit als Berlinale-Boss: „Im Laufe der vergangenen 18 Jahre mit Ihnen an der Spitze dieses renommierten Festivals haben Sie Frankreich in vielerlei Hinsicht immer wieder den Roten Teppich ausgerollt. Heute, lieber Dieter, ist es an Frankreich, Ihnen den Roten Teppich auszurollen.“ Seine Verdienste bestünden vor allem darin, dass er die Berlinale „grundlegend umgestaltet“ und dabei zum besucherstärksten Festival der Welt gemacht habe, das „mehr denn je der Vielfalt offensteht“.

Der Minister erwähnte französische Schauspieler und Regisseure, mit denen Kosslick vertrauensvoll zusammenarbeitete. Und fasste zusammen: „Durch Ihr Engagement, Ihren Humor, Ihren Enthusiasmus, Ihre Fröhlichkeit, Ihre gute Laune und Ihre Großherzigkeit haben Sie jedem das Gefühl gegeben, hier zu Hause zu sein.“

Dieter Kosslick freut sich über französischen Kultur-Orden

Fast jedoch wäre diese Lobrede gar nicht gehalten worden! Kosslick konnte nämlich in dem Moment, in dem der Minister gerade damit anfing, mal wieder seine Klappe nicht halten. Und rief einfach rein: „En Marche!“ Das heißt übersetzt „In Bewegung!“. Und der Kulturminister fragte irritiert, ob er die Rede angesichts dieser Drängelei nun doch nicht halten solle. Es kam anders.

Und Dieter Kosslick freute sich anschließend: „Es sind während der Berlinale einige Reden auf mich gehalten worden, aber in Französisch klingt es noch viel schöner.“ Und nach so einer französischen Rede habe „man das Gefühl, man hätte diesen Orden auch verdient“. In seiner Erwiderung wies Kosslick auf den schrägen Umstand hin, dass er jetzt, wo er das Kommando der Berlinale abgebe, plötzlich Kommandeur sei.

Kosslick besitzt auch schon die beiden Vorstufen seines neuesten Ordens („Die habe ich gern in Cannes getragen“), der neueste Zugang seiner kleinen Sammlung ist allerdings extra dekorativ geraten: „Beim Teddy-Award wäre das ein echtes Collier!“ Er bemühte kurz die Statistik: Während seiner Zeit an der Spitze der Berlinale liefen in allen Sektionen 782 französische Spielfilme, davon 109 im Wettbewerb. Vier Goldene Bären gingen nach Frankreich.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick schreibt an seinen Memoiren

Kosslicks Mitarbeiter rechnen eigentlich immer damit, dass er bei seinen Abweichungen vom Redemanuskript Bemerkungen macht, die in jede Richtung kippen können. Er enttäuschte sie auch diesmal nicht. So erinnerte der Noch-Boss an Gérard Depardieu, der sich so gern auf dem Roten Teppich der Berlinale tummelte: „Das teile ich mit Putin: Wir mögen ihn!“

Seinen aktuellen Zustand beschreibt Kosslick so: „Ich bin erholt und könnte sofort eine weitere Berlinale machen. Aber es ist ja keine.“ Also fährt er erst mal zum Fasten, wie er es seit Jahren nach den Filmfestspielen gehalten hat. Und dann will er das letzte Kapitel für seine Memoiren mit dem Titel „Schön auf dem Teppich bleiben“ schreiben, die im September herauskommen sollen.

Eigentlich sollten sie schon längst erschienen sein, aber das Schlusskapitel seiner Berlinale-Zeit fehlte noch: „Das konnte ich noch nicht schreiben, weil ich es ja erst erleben musste.“ Künftig will der 70-Jährige nur noch das tun, was ihm Spaß bereitet. Und darauf darf man wohl gespannt sein.