Seine Tage als Berlinale-Chef sind gezählt. Zu seinem 70. Geburtstag blickt Festivaldirektor Dieter Kosslick zurück auf glamouröse und berührende Momente - und seinen härtesten Abend.

Er herzt Stars auf dem roten Berlinale-Teppich und verschenkt Kinotickets an Filmfans. Immer mit dabei: Dieter Kosslicks berühmter Schal und sein augenzwinkernder Charme. Als Herr der Bären muss der Festivalchef aber auch immer wieder heftige Kritik an seiner Programmauswahl einstecken. Im Februar 2019 wird der gebürtige Pforzheimer seinen letzten Auftritt als Direktor der Berliner Filmfestspiele haben. Sein Nachfolger steht noch nicht fest. Am 30. Mai feiert Kosslick nun aber erstmal seinen 70. Geburtstag - und erinnert sich an seine aufregendsten und schlimmsten Berlinale-Momente.

Jedes Jahr im Februar ist Kosslick bei der Berlinale Gastgeber für internationale Schauspielgrößen wie Matt Damon, George Clooney, Juliette Binoche, Catherine Deneuve und viele mehr. Während der elftägigen Filmfestspiele ist Kosslick im Dauereinsatz und wohnt in einem Hotelzimmer mit Blick auf den roten Teppich. „Meine Familie sehe ich während des Festivals eigentlich gar nicht. Aber an einem Tag nehme ich meinen Sohn mit zum roten Teppich, damit er mal sieht, wie das alles abläuft“, erzählt der Festivalleiter der Deutschen Presse-Agentur.

Tankstellen-Blumenstrauß für Meryl Streep

Zu Kosslicks schönsten Augenblicken gehört die Berlinale-Eröffnung 2008, als die Rolling Stones und Regisseur Martin Scorsese mit ihrem Konzertfilm „Shine a Light“ kamen. „Unvergessen ist der Tankstellen-Blumenstrauß eines Fans, den ich mangels eigener Blumen auf der Bühne Meryl Streep überreichte. Sie bedankte sich leicht irritiert für „the wonderful flowers from the gasoline station““.

Nicht immer alles reibungslos

Doch es gab auch Ereignisse, die Kosslick die Schweißperlen auf die Stirn trieben. „Bei der Berlinale-Eröffnung 2004 wurde der Hollywoodfilm „Cold Mountain“ mit Nicole Kidmann, Renée Zellweger und Jude Law gezeigt - aber keiner der angekündigten Stars kam. „Sie sagten drei Stunden vorher alle ab. Das war der härteste Moment.“

Und was soll aus der Ära Kosslick bleiben, wenn er den Chefsessel geräumt hat? „Wir haben politisches Engagement und künstlerische Filme so programmiert, dass die Themen und Filme ein großes Publikum gefunden haben“, sagt der Festivaldirektor. „Wir haben uns für verfolgte iranische Regisseure eingesetzt und verbotene chinesische Filme gezeigt. Schauspieler wie Richard Gere und George Clooney haben sich auf der Berlinale in aktuelle politische Debatten eingemischt“, so Kosslick. „Im Berlinale-Statut von 1951 heißt es, das Festival soll zur Völkerverständigung beitragen und das sollte auch weiterhin so sein.“

Vom Ben Hur-Fan zum Berlinale-Chef

Kosslicks Liebe zum Kino wurde übrigens von einem ganz bestimmten Film geweckt. „Das war „Ben Hur“ von William Wyler“, erinnert er sich. „Das war zwar nicht der erste Film, den ich gesehen habe. Aber es war ein Film, der mich als Elfjährigen tief beeindruckt hat. Ich habe dann jahrelang noch Sandalenfilme und Western geguckt.“ Seinen Geburtstag verbringt Kosslick mit seiner Frau und seinem Sohn bei einem Kurzurlaub in Italien. (Elke Vogel/dpa)