Die alljährliche Berlinale-Pressekonferenz ist ebenso gefürchtet wie beliebt bei ihren Teilnehmern. Gefürchtet wird sie wegen ihres definitiven Weckrufcharakters bezüglich der langen, arbeitsreichen und schlafarmen Zeit, die nun vor den Besuchern des Filmfestivals liegt. Beliebt ist sie hingegen wegen der Aussicht auf die hier gehandelte Programmübersicht sowie wegen der eigensinnigen Formulierungen, die hin und wieder wie pikante Brosamen vom reich gedeckten Tisch dieser Festspiele fallen. Nicht selten kommen sie vom Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, weswegen eine Kollegin unlängst den Begriff „Dieterismen“ prägte. Eben diese gab es am Dienstag während der Pressekonferenz zur 64. Berlinale zu genießen.

Und es wurde einmal nicht mit dem Anfang, sondern mit dem Ende angefangen. „Gibt es Fragen vorab“, hieß es, kaum dass alle einen Platz gefunden hatten im Bundespresseamt. Und Fragen gab es wohl! „Wie ist es mit George Clooney und dem Hitzlsperger-Moment?“, wollte der RBB wissen. „Nun, George Clooney kommt (um seinen neuen Film ’The Monuments Men’ persönlich vorzustellen). Das ist für das Land sehr wichtig“, ließ Kosslick verlauten, worauf der Hinweis auf einen schwulen Fußballfilm aus Ungarn in der Festivalsektion Panorama folgte. „Warum gibt es dieses Mal so wenig aus Israel“, erkundigte sich die Jüdische Allgemeine. Nun, weil Israel ein Land sei wie andere auch, Höhen und Tiefen der Kunstproduktion unterworfen, wusste einer der Berlinale-Kuratoren. Was denn nun aber mit den ausgebeuteten Arbeitern auf den Mega-Sportbaustellen dieser Welt sei, interessierte einen weiteren Medienarbeiter, der sogleich unter dem korrekten Einwand zu Boden ging, dass Berlinale-Filme nicht nach ihrer Thematik ausgewählt werden, sondern nach ihrer künstlerischen Qualität.

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