Die BND-Leute Sebastian Blomberg, Thorsten Merten, Michael Wittenborn (von links)
Foto:  Sten Mende

BerlinEs ist nicht der erste Film mit der Einblendung „Nach einer wahren Geschichte“ zu Beginn. Diesmal folgt noch der Zusatz „Leider“. Das Wörtchen ist zwar viel zu klein für die weltpolitischen Folgen der Anekdote aus Ehrgeiz, Liebe und Angst, die hier erzählt wird, doch passt dieses Understatement zur Erzählweise, die der Regisseur Johannes Naber gewählt hat. Sein Film im Berlinale Special, dessen Kinostart erst für September geplant ist, folgt der Entstehung des Irakkriegs von 2003 aus einer Lüge heraus.

Wegen eines Rechtsstreits lief die Uraufführung am Donnerstagabend ohne Titel, im Programm stand der Film noch als „Curveball“. Das Wort war der Codename für eine Geheimdienstaktion, begonnen in Deutschland, von der CIA aufgegriffen und schließlich instrumentalisiert. Die Vorgänge sind inzwischen von Journalisten recherchiert worden. Bei der Berlinale-Pressekonferenz erzählten die Filmemacher, das ihnen ein Beitrag des ARD-Magazins „Panorama“ vom Dezember 2010 als Anregung diente. 

Johannes Naber, der mit dem Film „Zeit der Kannibalen“ 2014 die Gier und Hybris von Unternehmensberatern als satirisches Kammerspiel inszenierte, bedient sich auch diesmal souverän verschiedener Stufen des Humors. Die Dialoge im neuen Film, in dem wieder mehr gesprochen als gezeigt wird, laufen mal als aggressives Konkurrenzgehabe, dann als absurd simples Geplauder, die Szenen wechseln von einem Interieur aus dem Mief der alten Bundesrepublik bis in die Wintersportlandschaft Bayerns.

Ein bitteres Lachen

Ein auf biologische Kriegsführung spezialisierter Geheimdienstmitarbeiter deutet die Aussagen eines irakischen Flüchtlings zu Beweisen für die Existenz eines Biowaffenprogramms von Saddam Hussein um.  Seine Chefs verkaufen die ungeprüften Belege der CIA und dem MI5 als Erfolg.

Der Film erzählt dies von der Wurzel her mit dem Schauspieler Sebastian Blomberg im Zentrum als grandiosem tragikomischen Helden. Alle anderen Rollen sind leicht überzeichnet, ohne sie der Karikatur preiszugeben: Der Führungsoffizier lebt das alte Agentenklischee, der Münchener BND-Chef will in Berlin Karriere machen, der Flüchtling pokert um den deutschen Pass, die attraktive Spionin aus den USA markiert die Überlegene. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern verstärkt auch die Eindrücke, die der Film aus Fakten und Fiktionen zusammenfügt.  

Unterschiedlichen Berechnungen zufolge brachten der Irakkrieg und die Besetzung des Landes 115.000 bis 600.000 Menschen den Tod.

Vorführungen: 28.2., 16 Uhr, 1.3., 22 Uhr, Friedrichstadt-Palast