Die Berlinale-Kamera ist als Ehrenpreis wie geschaffen für Ulrike Ottinger.
Foto dpa/Julian Stratenschulte

Berlin - Seit 1986 geht die Berlinale Kamera als Ehrenpreis an Persönlichkeiten, die sich auf besondere Weise um das Festival verdient gemacht haben oder deren filmisches Werk eine enge Verbindung zur Berlinale aufweist. Auf Ulrike Ottinger trifft beides zu. Mehr noch: diese Trophäe scheint wie für sie geschaffen. Denn sie ist nicht nur Autorin, Theater- und Film-Regisseurin, Fotografin und Malerin. Sie hat auch bei allen ihren Filmen selbst die Kamera geführt. 

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Ihre großen Reisefilme, wie der fünfstündige „China – die Künste – der Alltag“ (1985), der achtstündige „Taiga“ (1992) oder der zwölfstündige „Chamissos Schatten“ (2016) stellen ästhetische, aber auch physische Großleistungen dar.

„Unter Schnee“ (2011) dauert zwar „nur“ knappe zwei Stunden, macht aber die sich selbst nie schonende Arbeitsweise eindrucksvoll deutlich. Gedreht wurde im Norden Japans, in einer der weltweit schneereichsten Gegenden der Welt, wo die Winter oft bis in den Mai hinein andauern.

Ottingers kleines Team zog durch die eisige Gegend von Ort zu Ort, ließ sich von den Begegnungen mit den dort lebenden Menschen überraschen, beobachtete ihre Bräuche, Freuden, Nöte. Es gab keinen Rückzugsort in Hotels, alles geschah Eins zu Eins, mit der Regisseurin als Teil des unberechenbaren Geschehens, ihre 20 Kilo schwere Kamera stets in Griffweite oder schon auf der Schulter.

Ohne Vergleich

Die meisten von Ottingers Filmen wurden auf der Berlinale uraufgeführt, oft im Forum des jungen Films. Den Anfang machte 1974 die Apollinaire-Adaption „Die Betörung der blauen Matrosen“, mit ihrer langjährigen künstlerischen Partnerin Tabea Blumenschein in der Hauptrolle. Die manieristischen Spielfilme ihrer bis zum Ende der 70er-Jahre währenden, frühen Phase sind im bundesdeutschen Kino jener Zeit ohne Vergleich.

Sie entwickelte darin einen hoch artifiziell-surrealen Stil, der in manchen Momenten an die Arbeiten Alejandro Jodorowskys erinnert. Mit ihren stets zwischen den Geschlechtern und Wirklichkeiten changierenden Figuren war sie ihrer Zeit weit voraus. Ottingers neuester, autobiografischer Film „Paris Calligrammes“ feiert in der Sektion „Berlinale Special“ Premiere und kommt Anfang März regulär in die Kinos.