Über die Affinität von Skater-Kultur und Film muss man nicht lange reden. Die Skater waren die erste Jugendkultur, die sich selbst und ihre tollkühnen Übungen exzessiv filmte, lange vor den Selfies standen ihre wackeligen Clips im Netz. Den neuesten und vielleicht schönsten Film darüber hat nun ein Schauspieler gedreht, den man sich auf einem Skateboard schlecht vorstellen kann. Jonah Hill sagt selbst, dass er nie gut darin war. Aber er war dabei, und zumindest teilweise ist „Mid 90s“ auch autobiografisch inspiriert.

In dieser Zeit von Grunge, HipHop und weiten Hosen hat sein Held Stevie das Pech, überall der Kleinste zu sein. Von unten betrachtet, sind alle anderen groß. Und die Skater vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles sind die Größten von allen. Meistens skaten sie gar nicht, sondern rauchen, kiffen und reden Blödsinn. Das will Stevie auch, und erzielt bald große Fortschritte. Nicht dass sie ihn deshalb beachten würden. Auch mit dem Skateboard will es lange nicht klappen, aber zumindest verprügeln sie ihn nicht wie sein großer Bruder. Wäre ja auch viel zu anstrengend. Ein Skater strengt sich niemals an, das ist oberstes Gesetz. Nur Stevie rackert sich bis spät in die Nacht ab, um endlich seinen ersten Ollie zu stehen.

Sehnsucht nach Anerkennung

Man sieht fürchterliche Stürze. Die Baseballkappe, für die der Dreizehnjährige mildes Lob erfährt, dient auch zum Verdecken der Wunden. Aber der ultralässige, gefährliche Sport steht natürlich nicht im Vordergrund. „Mid 90s“ handelt von den Plagen der späten Kindheit, von Unsicherheit, von Sehnsucht nach Anerkennung durch die Größeren. Hier heißen sie – mit herrlich debilen Spitznamen – Fuckshit oder Fourth Grade und sind Skater. Ein Zug zur Nostalgie ist Hills Film gewiss nicht abzusprechen. Aber was Stevie in dieser Gruppe erfährt, ließe sich überall und durch alle Zeiten bis heute beobachten. Weshalb es schwerfällt, in diesen verpeilten Abhängern mit ihren Pickeln und Problemen nicht auch sich selbst und ein paar vergessene Gestalten aus seiner Jugend zu erkennen.

Mit echten Skatern und nur wenigen Profis bringt Hill den Independent-Geist der Szene gut rüber. Den Kameramann hat er sich von Gus Van Sant ausgeliehen, in dessen „Don’t Worry, weglaufen geht nicht“ er im vorigen Jahr bei der Berlinale war.