Es sind fürchterliche Bilder, die afroamerikanische Lynchjustizopfer zeigen. Als Postkartenmotive haben sie sich in den USA zu Beginn des letzten Jahrhunderts einiger Beliebtheit erfreut. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, so das Sprichwort, und die Bedeutung der bildlichen Repräsentation von Afroamerikanern in den USA seit dem Beginn der Fotografie kann dementsprechend nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bilder mit Stereotypen wie dem schwarzen Chaingangmitglied in Zeitungen abgebildet, dem schwulstlippigen infantilen Neger aus zahllosen Werbeanzeigen, der afroamerikanischen devoten Sklavin oder Hausangestellten oder dem bedrohlichen schwarzen Mann prägen das kollektive Gedächtnis.

Auch solche Fotos sind in „Through a Lens Darkly: Black Photographers an the Emergence of a People“ von Thomas Allen Harris zu sehen, aber vor allem zeigt er in seiner Dokumentation Fotos afroamerikanischer bildnerischer Selbstermächtigung, die dem Klischee Menschlichkeit entgegensetzen. Inspiriert und basierend auf dem bahnbrechenden Buch „Reflections in Black: Black Photographers from 1840 to Present“ der Fotografin und Fotohistorikerin Deborah Willis. Sie ist in dem Film auch als Gesprächspartnerin vertreten, folgt er der Geschichte afroamerikanischer Fotografie und Fotografen. Von den ersten Daguerreotypien herausgeputzter Frauen und Männer über die zahlreichen Porträts des ehemaligen Sklaven und späteren Abolitionisten Frederick Douglass bis zu den Familiefotos auf dem Sofa mit Haushund und den künstlerischen Arbeiten – Tausende von (Archiv)-Fotos hat Harris im Lauf von sechs Jahren für den Film gesichtet und Hunderte ausgewählt. Er blättert auch eifrig in den Alben seiner eigenen Familie, einem reichhaltigen Fundus dank professioneller Fotografenverwandten.

Sein Ausgangspunkt ist also durchaus autbiografisch, es war sein nichtfotografierender Vater, der ihm sagte, er sähe wie ein kleiner Affe aus. Ein offensichtlich wirkungsmächtiges internalisiertes Stereotyp. Wenngleich die zahlreich zu Wort kommenden Fotografen, Historiker und Künstler und der ambitionierte Kommentar von Harris die Aufnahmekapazität strapazieren, legen die gezeigten Fotos ein eindringliches Zeugnis von einer anderen (afro)amerikanischen Geschichte ab. Eben ein „Album of Humanity“.

Bilder jedweder Art kann die Mittdreißigern Ingrid, Protagonistin des norwegischen Films „Blind“, nicht mehr sehen, eines Tages verlor sie plötzlich das Augenlicht. Vorsichtig tastet sie sich durch die Wohnung, die beim morgendlichen Teekochen verbrühten Finderspitzen gleiten dabei über die Gegenstände. Sie hat Angst das Haus zu verlassen. Wenn ihr Mann Morton gegangen ist, bleibt sie einsam zurück. Sie verdächtigt ihn allerdings, manchmal zurückzuschleichen und sie heimlich zu beobachten. Ihre Einsamkeit verbindet sie mit Einar und Elin, die von Ingrids Erzählstimme vorgestellt werden, während wir Einar, den schüchternen Internetfetischpornoabhängigen dabei sehen, wie er die alleinerziehende und unglückliche Elin im Haus gegenüber beobachtet. Kurze Zeit später begegnen sich die beiden im Hausflur. Ihre Zeit verbringt Ingrid vor allem auf dem Laptop schreibend. Je länger der Film dauert, desto mehr Ungereimtheiten, komische Zufälle und Absurditäten tun sich auf, und es wird zunehmend klar, dass Drehbuchautor und Regisseur Eskil Vogt in seinem Debütfilm die Erzählebenen munter durcheinanderwirbelt.

Denn was Ingrids blühender Fantasie als Autorin entspringt und was tatsächlich passiert, wird unauflösbar miteinander verwoben. Das führt zu durchaus komischen Situationen, etwa wenn Ingrid schreibend in die Situation eingreift und die laufende Szene vollkommen verändert, oder, vielleicht aus Langeweile, das Eskalationstempo anzieht.

„Blind“ ist ein stiller, aber geräuschvoller Film, der spielerisch den Welterschaffungsmöglichkeiten eines Drehbuchautors huldigt. Da ist es folgerichtig, dass der in Sundance mit dem Drehbuchpreis geehrt wurde.

Through a Lens Darkly: Black Photographers an the Emergence of a People 13. 2.: 17 Uhr Cinestar 7; 14. 2.: Cinestar 7 12 Uhr; 15. 2.: 17.30 Uhr Cubix 7.

Blind 14. 2.: 22.30 Uhr Cinestar 7; 16. 2. 17 Uhr Cinestar 7.