Möchte man von einem Zauberer erklärt bekommen wie seine Tricks funktionieren? Interessant ist es sicher, aber danach würde man seine Vorstellung kaum noch mit dem selben Staunen betrachten. Auch im Kino möchte man sich Illusionen hingeben, überwältigt werden, auch wenn man weiß, dass nachbearbeitet oder von vorneherein mit dem Computer erzeugt worden ist. Man möchte gar nicht genau wissen, wie das geht.

Die Leute, die am Donnerstagabend ins Hau kamen, sehen das offenbar anders. Visuelle Effekte waren das Thema der letzten Veranstaltung der diesjährigen Berlinale-Talents. Auf dem Podium enthüllten Lucy Ainsworth-Taylor von dem Londoner Unternehmen Bluebolt und Pierre Buffin von Buf in Paris ihre Kunst. Buffin hat an Filmen wie „Life of Pi“ oder „Avatar“ gearbeitet, Ainsworth-Taylor an „Game of Thrones“ oder „Cloud Atlas“.

Gebäude entstehen aus einem weißen Raster

Wenn man Fantasy-Filme sieht, weiß man, dass die Drachen und die mittelalterlichen Burgen nicht echt sind. Und man sieht auch, wie sehr sich die Technologie in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. In Jurassic Park wirken die Dinosaurier aus heutiger Sicht wie Plastikfiguren. Im Hau konnte man sehen, wie Tiere und Gebäude aus einem weißen Raster Schicht für Schicht auf dem Bildschirm entstehen. Ganz wenig muss wirklich gebaut werden. Wenn die Krieger in „Game of Thrones“ durch ein Tor in ein Schloss ziehen, dann gibt es nur dieses Tor, die Schlossmauern dahinter sind digital hergestellt. Obwohl visuelle Effekte teuer sind – für „Game of Thrones“ lagen die Kosten hierfür bei über drei Millionen Euro – wäre es wesentlich teurer gewesen, eine Schlosskulisse zu bauen.

Visuelle Effekte gibt es aber auch dort, wo man sie nicht vermutet. In dem Mandela-Film „Der lange Weg zur Freiheit“ etwa sind die Townships digital vergrößert worden und zum Teil auch die Menschenmassen simuliert. Das spart das Honorar für Komparsen. Für das Aufblasen von Menschenansammlungen gibt es sogar eine eigene Mengensimulationssoftware. Die Software ist ohnehin das wichtigste Werkzeug für visuelle Effekte, Buf entwickelt sogar seine eigene.

Der Democlip, den Taylor-Ainsworth von „Mandela“ zeigt, enthüllt, dass hier Stirnfalten geglättet, Doppelkinne wegretuschiert und Wangen rosiger gefärbt wurden. Selbst die Blutflecken auf dem Rasen nach einer gewaltsam aufgelösten Demonstration sind nicht echt. Sie wurden in der Postproduktionsphase digital ins Gras eingebracht.