Es lässt sich leicht sagen, was dieser Film nicht ist. Er ist kein Psychogramm eines Frauenmörders, er ist keine Sozialstudie, er ist weder ein Heimat- noch ein Horrorfilm und eine filmische Adaption, die den delirierend poetischen Ton von Heinz Strunks Erfolgsroman trifft, ist es auch nicht. „Der Goldene Handschuh“ ist von allem etwas und das ist das Problem. Der Hamburger Regisseur Fatih Akin hat sich eines Stoffes angenommen, der für ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße lag. Er ist in dem Kiez von Altona groß geworden, wo der Mörder Fritz Honka Mitte der 70er-Jahre Frauen auf fürchterliche Weise misshandelt hat, bevor er sie totmachte, wie er es nannte, und die zerstückelten Leichen in seiner Mansardenwohnung deponierte.

Die Furcht vor Honka zählt zu den Mythen seiner Kindheit und so war für ihn klar, dass er diese Geschichte verfilmen musste. Strunks Roman war vor drei Jahren eine Sensation. Mit seiner erbarmungslos genauen, tieftraurigen Erzählung eines Lebens im Zustand der Entmenschlichung, schlug er einen Ton an, wie man ihn in der deutschen Literatur seit Alfred Döblin nicht mehr gelesen hatte.

An Fatih Akin war es, für diese Sprache eine Form zu finden, die mehr als Zitat oder Bebilderung ist. Er wählte eine Art Theater-Ästhetik, die nur zwei, dreimal durch Realfilm-Sequenzen durchbrochen wird. Honkas Absteige erscheint wie eine Bühne, auf der sich ein bestialisches Dachkammerspiel ereignet. Es gibt im Grunde nur zwei Perspektiven, den Blick auf die Sitzecke mit der Pornotapete und die Küchennische.

Hier verrichtet Fritz Honka zum Klang von grausamer Schlagermusik sein Vernichtungswerk an Frauen, die er in der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit Hilfe von Schnaps aufgebracht hat. Honka demütigt, schlägt, vergewaltigt, erwürgt und zersägt seine Opfer, die genau das sind: Opfer. Sie wurden niemals von jemandem vermisst. Diese Frauen sind es, die im Film den stärksten Eindruck hinterlassen. Zumindest in Fragmenten deutet sich bei ihnen die Geschichte eines Lebens an. Frida etwa wurde als Prostituierte im KZ missbraucht. Die Versehrten, das darf man nicht vergessen, waren wie die Mörder 1974 noch unter uns. Im Jahr der Fußballweltmeisterschaft, als im Hamburger Volksparkstadion das Sparwassertor fiel.

Auf eine zeitliche oder soziale Bindung, wie sie im Roman zu lesen ist, verzichtet Akin fast völlig. Eine Rahmengeschichte mit einem Alter Ego des Regisseurs ist überflüssig. Sie dient lediglich dazu, zwei junge, unzerstörte Gesichter zu zeigen.

Die größte Tragik in diesem Film trifft allerdings den Hauptdarsteller Jonas Dassler. Er spielt den Mörder so perfekt, dass in jeder Sekunde sein perfektes Spiel zu bewundern ist. Wirklich Angst macht einem seine Vorstellung in keinem Moment.