Was mag Inés (Érica Rivas) gerade wieder sehen?
Foto: REi Cine SRL, PIcnic Producciones SRL

BerlinAls Psycho-Sex-Thriller kündigt das Berlinale-Programmheft diesen zweiten Film der argentinischen Regisseurin Natalia Meta an. Das klingt ja erstmal vielversprechend. Das erste Bild wirkt denn auch wie aus einem Psychoporno herausgeschnitten: Zu sehen ist eine nackte Frau in einer Art Sado-Maso-Dress. Es ist aus einem Film im Film, denn die Hauptdarstellerin Inés (Érica Rivas) ist Synchronsprecherin und spricht oder besser stöhnt gerade eine Szene, in der eine Frau vergewaltigt, getötet oder vielleicht auch sexuell befriedigt wird. Das lässt sich nicht aufklären oder nicht auseinanderhalten, und das gilt auch für das, was Inés erlebt.

Bald dringt das Übernatürliche in ihr Leben ein, zunächst in Form einer Stewardess, die Inés auf einem Ferienflug nach Mexiko vorschlägt, ihren Freund zu ermorden. Inés erwacht schreiend aus diesem Albtraum, aber war es das wirklich?

Realität und Wahn lassen sich bald nicht mehr auseinanderhalten in diesem Film. Auf der Tonspur, die Inés produziert, sind Geräusche zu hören, von denen keiner versteht, wo sie herkommen. Nur eine ältere Kollegin   weiß Bescheid: Inés sei von „Eindringlingen“ umgeben, die sich ihrer zu bemächtigen versuchen. Sie könne sich nur retten, wenn sie diese entschlossen aus ihrem Leben werfe. Aber will sie das?

„El Prófugo“ beruht auf dem argentinischen Schauerroman „El mal menor“ von C.E. Feiling, aber eigentlich hat Natalia Meta eine Art Vampirfilm gedreht. Die Hauptfigur unter den Eindringlingen (Nahuel Pérez Biscayart) ist Verführer und Zerstörer zugleich, sehnt sich nach Verschmelzung, und der Akt der Bemächtigung ist ein Moment der Wollust und der Befreiung.

Einmal gelacht, gründlich enttäuscht

Nur gelingt es Natalia Meta weder, die eingangs aufgebaute Spannung zu halten, die für einen Thriller grundlegend ist, und das trotz all der aufdringlichen Nahaufnahmen, die wohl dramatisch wirken sollen, trotz aller Bemühungen der Filmmusik, trotz der strikten Beschränkung auf den Innenraum als Schauplatz, obwohl der Film in Buenos Aires spielt. Sie findet keine Bilder für die Paranoia, außer immer wieder die weit aufgerissenen Augen von Inés. Sex gibt es auch nicht, nur ein wenig bekleidetes Herumgewälze. Und Grund zum Lachen nur ein einziges Mal. Enttäuschte Erwartungen also.