Kritiker-Wertung: Der Film „God Exists, Her Name Is Petrunya“ erhält von unserer Filmkritikerin drei von fünf Sternen. ★★★

★ Totaler Flop
★★ Misslungen
★★★ Sehenswert
★★★★ Bären-Kandidat
★★★★★ Meisterwerk

+++

Petrunija ist 32 Jahre alt, ledig, arbeitslos. Sie hat einen 1a-Universitätsabschluss in Geschichte. Aber wer braucht schon eine Historikerin in ihrem Heimatort Štip in Mazedonien, 100 Kilometer südöstlich von Skopje gelegen? Als der Tag, an dem dieser Film spielt beginnt, hätte sie einen Job als Näherin bekommen können. Der Polizeichef von Štip fragt Petrunija, ob sie gläubig sei. Sie kommt mit einer Gegenfrage: „Sind Sie schwul?“ Private Fragen werde sie nicht beantworten.

Männer blöken und trampeln

Das ist die Stelle, da man erwartet, dass die Regisseurin Teona Strugar Mitevska ihre Hauptfigur zu einer Heldin stilisiert. In ihrem Film, der auf Englisch „God Exists, Her Name Is Petrunya“ heißt, hat die junge Frau eher zufällig das Kreuz ergattert, das der Priester traditionell am Dreikönigstag in den kalten Fluss wirft. Als die Männer in Badehosen um sie her noch blöken und trampeln, springt sie einfach mit Kleid ins Wasser und eilt mit dem Kreuz davon. Es soll Glück bringen, sagt die Freundin, die Petrunija im Youtube-Video entdeckt hat. 

Petrunija lässt sich nicht provozieren

Der Film erzählt, welche  Folgen der Kreuz-Erwerb hat. Der Pope will es zurück, Männer ziehen lärmend vor die Polizeistation, weil es ihnen zustünde, eine Reporterin entdeckt ihre Chance, sich mit dem Thema aus der Provinz zu profilieren.

Der Clou der Inszenierung besteht darin, dass Petrunija ruhig bleibt, während die Aufregung um sie wächst. Schickt die Polizei sie vor die Tür, lässt sie sich vom Mob beschimpfen. Brüllt der Kommissar sie an, bricht sie nicht in Tränen aus. Möchte die Reporterin ein feministisches Statement, schweigt Petrunija auch. Dabei kann man als Zuschauerin nur beipflichten, wenn die Fernsehfrau sagt: „Das ist Mazedonien im Jahr 2018 – wie im Mittelalter!“ 

Der Film hat Humor

Was entscheidend für den Film spricht, ist der Humor, mit dem er das aktuelle Thema behandelt. Es ist ja der ideale Berlinale-Beitrag für dieses Jahr: Für Regie, Drehbuch, Kamera und Schnitt zeichnen Frauen verantwortlich. Er handelt von Männern, die Tradition mit Gesetz verwechseln. Die Heldin ist eine ganz normale Frau mit Kummerspeck, die selbst über ihr Leben bestimmen will.  Sie erkennt, dass sie das kann.