Der Konzertabend begann, wie er für viele Musiker nicht unbedingt endet, mit stehenden Ovationen. Als der inzwischen 90-jährige Burt Bacharach um kurz nach 20 Uhr in schiefer, aber nicht gebeugter Körperhaltung die Bühne des Admiralspalastes betrat, brandete ihm ein warmer Applaus entgegen - allein dafür, dass er gekommen war. Als erstes und einziges Deutschlandkonzert war das Berliner Konzert angekündigt worden, aber zur Begrüßung stellte Burt Bacharach klar, dass er schon einmal da war. Damals mit Marlene Dietrich, kurz nach dem Krieg. Für alle, die es nicht so genau wussten – aber das waren wohl nur sehr wenige –, rückte das schon einmal die zeitlichen Dimensionen zurecht, die es an diesem Berliner Sommerabend musikalisch zu verhandeln gab.

Das klingt ein wenig akademisch, aber tatsächlich führte Burt Bacharach seinem nicht mehr ganz jungen Publikum einen Querschnitt seines musikalischen Schaffens vor, das einmal als Easy Listening verschrien war, inzwischen aber mühelos als kompositorisches Jahrhundertwerk identifiziert werden kann. „What the World Needs Now Is Love“, hinreißend gesungen von Josie James, eröffnete den Reigen von Bacharach-Klassikern, die fest im kulturellen Gedächtnis verankert sind. Selten mit Titel und Interpret, aber schon nach wenigen Takten erkennt man die Melodie, und sei es auch nur, weil es die Musik der Generation der Eltern war, der man als Teenager nicht auszuweichen vermochte. Bacharach-Songs wie „Is this The Way To San Jose“ oder „I´ll never Fall In Love Again” (1969 gesungen von Dionne Warwick sowie Bobby Gentry) gehörten nicht zum Repertoire, das emphatisch in sich auf aufnahm, wer in den 70er-Jahren oder später musikalisch sozialisiert wurde. Aber es war der Sound, der schon da war und für viele heute erst seine klangliche Vielfalt freizugeben vermag, weil man sich nicht mehr mit allzu engen Genrevorlieben abgeben muss.

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