Berlin - Wer in Berlin gärtnert, kennt das Problem: Die Böden dieser Stadt sind eine komplizierte, ja unheimliche Sache: Einerseits sandig und nährstoffarm, andererseits voller Stoffe, die nicht hineingehören: Mein Schrebergarten zum Beispiel liegt auf einer vier Meter dicken Aufschüttung „von Bauschutt, Beton, Kohleresten, Schlacken, Teerpappen und Aschen“, so ein Gutachten des zuständigen Bezirksamts. Der Parzellenboden enthält, auch das steht dort, in bedenklichen Mengen Blei, Cadmium und Kupfer.

Als ich das vor Jahren zum ersten Mal las, musste ich schlucken. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, Gemüse und Erdbeeren in höhergelegten Beeten zu kultivieren. Ich habe mehrere Kubikmeter schadstofffreien Mutterboden beim Erdenhändler gekauft und hätschele ihn, so gut es geht. Unermüdlich bedecke ich jeden Zentimeter mit Mulchmaterial, säe Gründünger, verteile Kompost, grabe nie um, sondern ziehe nur meinen Sauzahn hindurch. Über die Jahre entwickelte sich im Gemüsebeet über einer eher sandigen, aber unbedenklichen Sicherheitszone eine etwa 30 Zentimeter dicke Schicht wie aus dem Bilderbuch: Dunkel, krümelig, feucht, sie duftet nach vermoderndem Laub. Sobald ich grabe, treffe ich auf Regenwürmer und Tausendfüßler, unterm Mikroskop wäre sicherlich richtig was los.

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