Aerosol-Vernebelung im Großen Haus des Berliner Ensembles.
Foto:  Berliner Ensemble/ Moritz Haase

BerlinDas Wort „Aerosol“ zieht durch die Corona-Krise in den Kulturbetrieb ein. Da Wissenschaftler inzwischen die Tröpfcheninfektion als Hauptweg der Ansteckung entlarvt  haben, müssen Kulturbetriebe weniger die Begegnung ihres Publikums an den Türklinken fürchten als im Atemraum der Spielstätten. Nur Vorstellungen in Freiluftkinos und Open-Air-Theateraufführungen scheinen in diesem Punkt einigermaßen sicher zu sein. Das Berliner Ensemble nimmt sich nun aber den Luftraum im Saal vor.

Am Donnerstag verschickte die Presseabteilung des Theaters Bilder von den Versuchen des Corona-Luftkriegs. Denn in wenigen Wochen soll wieder im Saal gespielt werden. Das Theater testet derzeit eine Raumdesinfektion durch Aerosolvernebelung, die sowohl im Zuschauerraum und den Foyers als auch auf der Bühne zum Einsatz kommen soll. Bei dieser Art der Desinfektion wird das natürlich abbaubare Desinfektionsmittel per Kaltvernebelung über ein Verneblungsgerät oder ein vorhandenes Lüftungssystem in der Luft verteilt und diese dann desinfiziert. Dabei setzt sich das Desinfektionsmittel gleichmäßig an allen Oberflächen im Raum ab und erreicht auch schwer zugängliche Bereiche.

Am Berliner Ensemble erfolgten nun mit „Amoair“ erste Versuche in einem Theaterraum. Das Produkt verzichtet auf sonst übliche Schwermetalle, soll auch für Allergiker ungefährlich sein. Ursprünglich für Krankenhäuser entwickelt, war diese Verneblungstechnik bereits 2017 erfolgreich auf dem Virusstamm (Mers, Sars, Covid) getestet worden.

Die ersten Meldungen klingen äußerst vielversprechend. Messungen an über fünfzig Stellen im Großen Haus hätten gezeigt, dass etwa 99 Prozent der im Raum befindlichen Bakterien und Viren durch den Nebel entfernt werden konnten. 99 Prozent! Dass für Bühne und Zuschauerraum zunächst große Verneblungsgeräte mit Hochdruck-Düsentechnik verwendet wurden, mag Theaterfreunde in Schrecken versetzen. Doch das Berliner Ensemble teilt mit, dass für einen dauerhaften Einsatz während des normalen Vorstellungsbetriebs geräuschlose Ultraschallgeräte eingesetzt würden, die vor jeder Vorstellung zusätzlich zur manuellen Reinigung zum Einsatz kommen sollen. 

Oliver Reese, der Intendant des Theaters, äußert sich in der Mitteilung erfreut über das Pilotprojekt und dessen gute Ergebnisse: „Zusammen mit allen anderen Schutzmaßnahmen ist das Berliner Ensemble gut für den Publikumsverkehr vorbereitet und wir freuen uns auf eine Wiedereröffnung Anfang September.“ Mit Beginn der Spielzeit sollen auch der Eingangsbereich und die Toiletten mittels Vernebelung desinfiziert werden.