Ein Werk aus der Gruppenausstellung: „Perhaps A window?“, zu sehen in der Galerie Stadium. Der Maler Anders Dickson zeigt den mächtigsten Mann der Welt und seine devote Entourage. Titel des Bildes: „signature like smoke/stimulus shadow“.

BerlinDie Stadt findet nach den Corona-Sperren langsam zu ihrem Puls und Rhythmus zurück. Und ja, die Berliner Kunstszene hat wegen des langen Lockdowns immensen Nachholbedarf. Das Publikum auch. Darum wird von einem Kern der Galeristen, die auch alljährlich das Gallery Weekend und die Ausstellung zur herbstlichen Berlin Art Week organisieren, den Kunstfreunden abermals ein offener Sonntag angeboten. Zwei vorangegangene Öffnungen am Tag des Herrn Ende Mai und Ende Juni wurden überaus gut angenommen.

David Renggl: „SUV Painting – Cayenne/alamy“ (Ausschnitt), 2020,  in der Galerie Wentrup. 
Foto:  Frank Kleinbach

Am kommenden Sonntag, den 26. Juli, zeigen über 60 Galerien quer durch Berlin Einzel- wie Gruppenausstellungen. In der Galerie Stadium, Potsdamer Straße 70, zeigt der junge US-Maler und Wahlberliner Anders Dickson inmitten der Arbeiten seiner Kolleginnen und  Kollegen ein Gemälde, das zur Persiflage eines Politiker-Porträts wird und das Genre der sogenannten Hof-Malerei ad absurdum führt. Darin ist Donald Trump zu sehen, der am Schreibtisch ein Schreiben unterzeichnet, seine Entourage im Weißen Haus steht devot dahinter.

Auch in der Galerie Weiss geht es gesellschaftskritisch zu. Für die Foto-Serie „Fatherhood“ von 2018 nahm der Afroamerikaner Larry W. Cook Väter mit ihren Kindern auf, um eine wichtige zwischenmenschliche Beziehung im Kontext von schwarzer Männlichkeit dazustellen. Unter freiem Himmel steht ein Vater, flankiert von seinen erwachsenen Söhnen. Zu Füßen der Gruppe ist das gerahmte Foto eines Verwandten zu sehen, vielleicht der verstorbene Großvater in jungen Jahren. Die Armbanduhren am Handgelenk der Männer scheint das Verstreichen der Zeit zu symbolisieren. Auf einem nächsten Foto rasiert der Vater seinem Sohn die Haare. An der Wand hängt eine Zeichnung eines älteren Manns mit Baseballmütze. Drei Generationen sind vereint und mit ihnen verändert sich auch das schwarze Selbstverständnis.

Die Serie entstand zwei Jahre vor dem  Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis durch Polizeigewalt. Am 25. Mai 2020 erstickte der Vater eines erwachsenen Sohnes durch das Knie eines Polizeibeamten. Ein Video von Floyds Ermordung, das von der Washington Post veröffentlicht wurde, zeigt deutlich, dass die Polizei gelogen hat, was Floyds Widerstand gegen seine Verhaftung angeht. Ermordet, weil er „wie ein Verdächtiger aussah“: Die Ereignisse um George Floyds Tod enthüllen die beiläufige, aber tödliche Brutalität der Polizei. Es wäre vorstellbar: Der Sohn des Toten könnte mit einem Foto des ermordeten Vaters  für die Weiterführung der Serie von Larry W. Cook stehen.

Larry W. Cook zeigt in der Galerie Weiss die Fotoarbeit „Fatherhood 4“, 2018.
Foto: Galerie Weiss/L.W.Cook

Eine umfassende Übersicht aller am Sonntag, den 26. Juli, von 12 bis 18 Uhr beteiligten Galerien und assoziierten Ausstellungshäuser findet sich auf der Website der Kunst- und Kalenderplattform Index, die die „Sunday Open“ initiiert.