Hell strahlt das Blau ihres Kleides, lang dreht ihr Körper sich zum Licht hin. Purpurrot leuchten die Ärmel, die sich weich um ihre gekreuzten Arme fälteln. Den Blick hat Maria entrückt gen Himmel gerichtet. Die über ihr schwebende Taube breitet weiß die Flügel aus und ergießt ihren gelben, heiligen Schein über das Haupt der Jungfrau, um das sich Puttenköpfe im Kreis reihen und Engel musizieren. Mit pastosem Pinselstrich sind die Lichter auf Farben und Schatten gesetzt, als würden sie der Moderne vorwegglänzen.

So kühn, so hoch, so hell, fast grell, überwältigend und wie von innen strahlend, jeglichen Fluchtpunkt negierend, hat die „Unbefleckte Empfängnis“ nur einer gemalt: El Greco. Jener Grieche aus Kreta, der in Spanien Skandale provozierte, während er zur Vollendung seiner Kunst fand. Selbst Zweiflern an dieser überdrehten, übersteigerten Malerei wird es schwerfallen, sich dem Sog seines jenseitigen Seinszustands zu entziehen.

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