Ohne Rettungsschirm: Viktor (David Kross, l.) und Gerry (Frederick Lau).
Foto: Nik Konietzny

BerlinUrsprünglich war der Film einmal als „Betongold“ angekündigt worden. Jetzt haben die Produzenten von der Ufa  den Titel geändert. Denn ein Dokumentarfilm namens „Betongold“ hatte sich vor ein paar Jahren bereits mit der Gentrifizierung in Berlin auseinandergesetzt. Um Probleme verdrängter Mieter geht es hier aber überhaupt nicht.

„Betonrausch“ passt hier tatsächlich besser. Im Mittelpunkt des Films steht ein Hochstapler-Trio, das mit Berliner Immobilien Reichtum angehäuft hatte und wieder abgestürzt war. Jetzt sitzt Viktor (David Kross)   im Gefängnis vor einer Reporterin und erzählt ihr seine Story.

Simple Masche

Angekommen mit nicht mehr als einem Rucksack, hatte er in Berlin zunächst auf dem Bau gejobbt, bevor er mit gefälschten Papieren Penthäuser anmietet und an bulgarische Bauarbeiter wieder vermietet. Als das logischerweise schiefgeht, ersteigert er mit seinem Kumpel Gerry (Frederick Lau) Immobilien – ohne eigenes Kapital zu besitzen. Doch Gerrys Schulfreundin Nicole (Janina Uhse) arbeitet als Bankerin und verschafft den beiden Betrügern genügend  Interessenten, die beim Weiterverkauf das Mehrfache bezahlen. Mit dieser simplen Masche baut das Trio ein Immobilien-Imperium auf und kauft diverse Firmen auf.

Trailer zum Netflix-Film „Betonrausch“

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Offenbar hatten sich die Produzenten um den Drehbuchautor und Regisseur Cüneyt Kaya, der zuletzt die zweifelhafte Komödie „Verpiss dich Schneewittchen“ ins Kino brachte, vorgenommen, so etwas wie Sympathie für diese windige Trio-Connection zu erzeugen. Mit wenig Erfolg. Zu lachen hat der Zuschauer hier wenig. „Betonrausch“ erzählt kaum  vom Betrügen und Betrogenwerdenwollen, sondern feiert immer wieder und auf recht plumpe Art die beiden Hochstapler.

Die Szenen, in denen sich der schüchterne Viktor und der derbere Gerry mit zwei Dutzend Prostituierten in Luxusbordellen bei Schampus und Koks vergnügen, wirken wie überlange Clips selbstgefälliger Gangsta-Rapper – Sympathiepunkte sammeln sie so jedenfalls nicht. Auch die Szene, in der Gerry die Belegschaft einer aufgekauften Firma dazu zwingt, mit ihm „O du fröhliche“ zu grölen, wirkt nur peinlich, nicht amüsant. Zu vieles verläuft erwartungsgemäß – etwa, dass die dekadenten Feiern im Bordell die Beziehung zwischen Viktor und Nicole arg belasten. Denn die beiden haben geheiratet und sind Eltern einer kleinen Tochter.

Kein Gespür für den Spielfilm

Die missglückte Satire zeigt, dass die oft so innovative Netflix-Produktion, zumindest bei den deutschen Spielfilmen, noch kein rechtes Gespür für dieses Genre entwickelt hat. Serien wie „Dark“ oder „How To Sell Drugs Online (Fast)“ sind komplett anders als alles, was im deutschen Fernsehen läuft. „Betonrausch“ hätte auch auf irgendeinem Privatsender laufen können.

Betonrausch

ab 17. April auf Netflix