Kabarettistin Gabi Decker in Berlin Charlottenburg.
Foto: Thomas Uhlemann

BerlinFür jeden, der größere Teile seines Lebens im Rampenlicht verbracht hat, kommt irgendwann der Tag des Abschieds von der Bühne. Die Kabarettistin Gabi Decker steht an diesem Sonnabend zum letzten Mal dort oben. Im Konzertsaal der Universität der Künste zeigt sie ihr Programm „100 Jahre Gabi Decker“. Dann fällt der letzte Vorhang.

„Es wird Zeit“, sagt Gabi Decker, 63 Jahre alt. „Ich habe alles gehabt, bin verwöhnt von Publikum und Kritik, hatte eine ZDF-Show, was soll noch passieren?“ Schwer falle ihr der Abschied nicht. „Es hat immer funktioniert, die Hütte war voll. Ich möchte aber gern mal in einem Café sitzen, eine Zeitung aus dem Ständer nehmen und lesen.“ Und sie wolle sich ihren Hobbys widmen, ihrem Garten, ihrer Stiftung, mit der sie sich für Menschen einsetzt, die unter Altersarmut leiden. Und auch ihrem Mann stehe mehr Zeit zu, findet sie. „Aber bald ist ja Ruhe.“

Gegen das Alter habe sie nichts, „ich habe gute Gene. Was ich nicht mag, ist der Energieverlust. Ich würde am liebsten wie früher morgens meinen Flur streichen, Essen kochen, ein Kleid nähen, in den Garten gehen, alles. Aber da sind mir inzwischen klare Grenzen gesetzt. Wenn ich auf der Bühne Tina Turner spiele, muss ich danach immer ins Sauerstoffzelt, deshalb spiele ich die Nummer vor der Pause.“

Der Weg auf die Bühne war nicht leicht

Gabi Decker, im rheinischen Ratingen geboren, in Niedersachsen aufgewachsen, kam im Jahr 1981 nach Berlin, jobbte als Kellnerin – und trat als Jazz-Sängerin in Bars auf. 1983 und 1984 erschienen ihre ersten Singles „Unter der Dusche“, „Ich werd’ wahnsinnig“ und „Allein“. 1985 begann sie, als Gagschreiberin beim Radio zu arbeiten – und traf Clemens Füsers, ihren Co-Autoren. Sie erinnert sich noch gut daran. „Er sagte: Mensch, du sprichst sieben Dialekte, kannst singen und musst keine Tüte über dem Kopf tragen, denk’ dir mal was aus! Er hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben. Heute wünsche ich mir, ich hätte ihn früher kennengelernt, damit ich früher mit dem Job angefangen hätte.“ Der Weg auf die Bühne sei aber nicht leicht gewesen. „Singen ging immer, aber ich habe mich nie getraut zu sprechen.“ Die Nervosität habe sie nie abgelegt. „Lampenfieber ist anstrengend. Auch das ist etwas, das ich in Zukunft nicht mehr möchte.“

Damals folgten zahlreiche Programme, auch mit ihrer Band Die Devoten, Fernsehauftritte und Plattenaufnahmen. Gabi Decker blickt auf schöne Erinnerungen zurück – und auf Pannen. „Ich trage unter meinen Sachen bei Auftritten immer einen Body, denn ich bin schamhaft, ziehe mich nicht gern vor anderen um“, erzählt sie. „Einmal war bei einer Show mein Mikro ausgefallen. Als ich hinter der Bühne war, kam der Techniker, wollte die Batterien wechseln – aber es steckte unter dem Body. Also riss er mir die Träger runter, ich stand da wie vom Donner gerührt. Das war peinlich, aber auch lustig.“ Im Gegensatz zu einem anderen Erlebnis. Einmal hatte ein Zuschauer bei einer Show einen Herzinfarkt. Die Show wurde unterbrochen, der Gast ins Krankenhaus gebracht. „Da war die Stimmung geknickt. Ich fragte: Soll ich weitermachen? Alle brüllten: Ja!“ Drei Tage später wurde ein Blumenstrauß abgegeben, daran hing eine Karte: „Mir geht es gut. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihre Vorstellung gestört habe.“

„100 Jahre Gabi Decker“ heißt nun das Abschiedsprogramm. 100 Jahre? „Ich habe auch Galas bespielt, 100 Jahre Klempnerfirma, so was“, sagt die Kabarettistin. „Die hatten immer einen so einen schönen Lorbeerkranz, den wollte ich auch.“ Und „25 Jahre Gabi Decker“? Das wäre zu langweilig gewesen. „Also dachte ich: Ich mache gleich 100. Außerdem fühle ich mich morgens wie 100. Ich gehe morgens nur noch ohne Brille vor den Spiegel – und gucke erst mal, was so an Schminksachen da ist.“

Ein paar Abschiedstränen darf es geben am Sonnabend. Und dann? „Vielleicht gehe ich ein Stück in die Bedeutungslosigkeit. Aber die ist auch da, wenn man für andere Leute schreibt – deshalb kenne ich das Gefühl.“

„100 Jahre Gabi Decker“

UdK-Konzertsaal, Hardenbergstraße 33, Charlottenburg.
Tickets unter Tel.:755492560