Besucher auf der Kunstmesse "Positions" im ehemaligen Flughafen Tempelhof, Hangar 3-4
Quelle: Positions

Fast scheint es wie immer, in Hangar 3 und 4 im ehemaligen Flughafen Tempelhof reihen sich die Kojen, auf weißen Wänden oder frei im Raum stehend wird Kunst zum Kauf angeboten und das Publikum kann sich ganz nah in die Werke vertiefen. Ein sanfter Luftzug durchweht das Hallen-Ambiente.

Und doch ist vieles anders. Die Registrierung am Eingang, das charmante Lächeln, das im Mund-Nasen-Schutz versinkt, die herzliche Umarmung, die kontaktlos in der Luft erstarrt. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass diese Messe mit rund 130 Galerien aus mehr als 50 Ländern und mit Tausenden von Besuchern jetzt zur Art Week stattfinden kann. Kristian Jarmuschek und Heinrich Carstens, die beiden Direktoren der Positions, haben sie gestemmt. „Ohne den Rückhalt der Galerienszene“, sagen sie, „würde es diese Kunstmessen Positions, Paper Positions Berlin sowie den Neuzugang der Photo Basel/Berlin dieses Jahr wohl nicht geben.“ Im April war die Paper Positions abgesagt worden, die Planung für den Herbst voller Unsicherheiten. Das Konzept, das die Einhaltung aller Covid-19-Regeln garantiert, hat das Team seit Monaten erarbeitet. Jetzt fühlt es sich wie eine geballte Kunstoffensive an, die in den weitläufigen Hangars möglich wurde.

Den größten Teil nimmt die Positions mit 59 Galerien in Hangar 4 ein. Und die erfreut sich gewichtiger Neuzugänge wie Michael Haas (Berlin/Zürich) sowie der Berliner Galerien Nothelfer oder Thomas Schulte. Diese neuen Allianzen haben nicht zuletzt mit der Aufgabe des Mitbewerbers, der Art Berlin, zu tun, die bis 2019 im angrenzenden Hangar stattfand. Gleichzeitig ist Jarmuschek und Carstens klar, dass sie den Wegfall ihres mehrjährigen Nachbarn schwer kompensieren können: Beide Messen haben in der Vergangenheit voneinander profitiert.

Besucher auf der Kunstmesse "Positions" im ehemaligen Flughafen Tempelhof, Hangar 3-4
Quelle: Positions

Nun aber zieht die Positions vorne weg. Die Begeisterung der Galeristen, die Werke wieder analog dem kunstinteressierten, ja kunsthungrigen Publikum anzupreisen, schwebt allgegenwärtig im Raum und schlägt schnell Funken. Beim Stuttgarter Thomas Fuchs durch hochkarätige Malerei vom Neuen-Wilden-Altmeister Rainer Fetting, des jungen Koreaners Yongchul Kim, der mit starkem gestischen Pinselduktus Hautoberflächen aufbricht oder Mona Ardeleanus hyperrealistisch surreale Formen. Aufmerksam machen Großfotos des jungen Künstlers und Aktivisten Imraan Christian aus Kapstadt, den die Galerie Artco (Aachen/Berlin/Kapstadt) mitgebracht hat.

Christian entwickelt in den Townships soziale Projekte mit den Bewohnern. Seine Porträts, denen er Löcher wie aufklaffende Wunden zufügt, weisen auf die Post-Apartheid-Zustände in Südafrika hin. Der ungarische Künstler Árpád Forgó, zu sehen bei der Kölner Galerie Biesenbach, schafft geometrische und formal reduzierte Wandobjekte. Die Berliner Galerie Albrecht zeigt Werke von Chen Ruo Bing, dessen farbige Lichtraum-Bilder das scheinbare Nichts in dünn auf die rohe Leinwand gemalten Farben bannt.

Zur Positions gesellt sich die verschobene Paper Positions mit 43 Teilnehmern, wo die Galerie König Arbeiten von Norbert Bisky und Katharina Grosse offeriert. Ins Auge stechen auch Neuzugänge wie Almacén aus Tel Aviv, die neben einer Kunstgalerie dort ein Kulturzentrum betreibt und kleine feine Arbeiten von Yana Ar und Anna Mirkin anbietet. Alexander Ochs Private aus Berlin trumpft mit hintersinnigen Arbeiten von Via Lewandowsky auf. Eine strenge, skulptural anmutende Lithografie in Schwarz-Weiß, die der US-Bildhauer Richard Serra 1990 schuf, ist bei Galerie Nothelfer ein Highlight.

Verstärkend bat man die Photo Basel nach Berlin, eine beliebte Satellitenmesse, die im Juni für gewöhnlich die Art Basel mit fotografischen Positionen begleitet. Vertreten sind hier die taiwanische Per van der Horst Gallery mit hochartifizieller Blumenfotografie von Bas Meeuws oder die Berliner Galerie Katharina Maria Raab mit starken Porträts von Ahmed Kamel und Hicham Benohoud. Am Hallen-Ende schließlich münden die Stände nahtlos in Objekte der Fashion Positions. Berliner Mode-Designerinnen und -Designer zeigen hier, wie fließend die Grenze zwischen Kunst und Mode ist. Den sinnfälligen Abschluss – und durch die Krise noch einmal ins Blickfeld gerückte Tatsache – bildet die kleine Supporting Positions. Sie unterstützt Galerien, die sich einen Messeauftritt nicht leisten oder coronabedingt nicht anreisen konnten. Insgesamt sind die Messen ein äußerst wichtiges Signal – an den Kunsthandel sowie für den Kunststandort Berlin.