Das Ding passt nirgends hinein. Für einen handelsüblichen CD-Schrank ist es zu etwas zu hoch und viel zu tief. Im Bücherregal wirkt es mickrig – und ist schließlich fehl am Platz. Die Berliner Philharmoniker sprengen mit ihrer ersten Veröffentlichung auf dem hauseigenen Label „Berliner Philharmoniker Recordings“ alle Dimensionen, vor allem die der Praktikabilität. Bloß nicht untergehen zwischen all den anderen CDs! Aufdringlich demonstriert das Orchester seine Besonderheit; hoffentlich wird sie vom eigentlichen Produkt bestätigt. Aber dazu später.

Die Orchester sind in einer Repertoirekrise, wie nun jedermann weiß. Vor allem die Plattenstudios sind nicht mehr bereit, die Musik von Haydn bis Strauss fürderhin weiter aufzunehmen. Aufgebaut werden nur noch Sänger und Solisten an Klavier, Violine, Cello und vielleicht der eine oder andere Bläser. Dirigenten sind für die Industrie nicht mehr interessant. Für die Orchester ist das natürlich unbefriedigend. Die Digitaltechnik ermöglicht einen ungeheuren Ausstoß an aufgenommener Musik – keiner braucht sie, aber soll man sie deswegen löschen?

Die Berliner Philharmoniker, seit den Tagen Karajans in höchstem Maße medienaffin, sind beim Ausprobieren neuer Distributionsformen immer vorne dabei. Die Digital Concert Hall ist eine ihrer Pioniertaten, ein technisch enorm aufwändiges Verfahren, um Konzerte im Internet „erlebbar“ zu machen. Das Label „Berliner Philharmoniker Recordings“ mutet dagegen an wie ein Rückfall in alte Zeiten. Versucht die Digital Concert Hall d en Eindruck eines einmaligen Konzerterlebnisses zu vermitteln, auch dadurch, dass die Inhalte nicht gekauft, sondern nur gemietet werden, geht es beim Label wieder um etwas Dauerhaftes.

Um diesen Eindruck zu vermitteln, legt man sich ins Zeug und hätte gern 49 Euro 90. Um die zwei CDs und die Blu-ray-Disc mit den vier Schumann-Sinfonien wird ein buchartiges Gebilde in Leinen gebaut. Klappt man es auf, findet man links die CDs und rechts ein Booklet. Beides hält nicht, was es in seinen Ausmaßen verspricht. Links klappt man einen magnetisch schließenden Deckel auf – und entdeckt gestapelte CDs wie in billig herausgegebenen Serien-DVDs. Hier werden die drei Scheiben zwar durch Papier voneinander getrennt, und sie stecken auf einem Zapfen aus gebürstetem Metall. Dennoch ist das eine Form der Aufbewahrung, die absolut gar nicht geht. Wenn man an die Blu-ray will, muss man die oberen Scheiben abheben, die unterste herausangeln, die oberen wieder einlegen, und beim Wegräumen das Ganze noch einmal umgekehrt – Luxus sieht allerdings anders aus.

Das Booklet widmet jeder Sinfonie ungefähr 40 bis 50 Zeilen, auf denen auch der kundige Schumann-Biograf Martin Demmler kaum mehr als ein paar Klischees unterbringen kann. Auf den restlichen Seiten befasst sich das Orchester wieder mit sich selbst und seiner Schumann-Tradition. Dazwischen findet man aus unerfindlichen Gründen Bilder von KPM-Vasen; die Vase auf dem Leinendeckel erinnert an einen bunt floral tätowierten Frauenhintern.