173 Zeichnungen von Joseph Beuys gehen als Dauerleihgabe aus der Sammlung Heiner, Céline und Aeneas Bastian an das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Gefestigt wird die Kooperation in den nächsten zehn Jahren durch Schenkungen ausgewählter Zeichnungen, an deren Anfang die Übergabe des Blattes „Raum für Filzplastiken“ von 1963 steht. Damit kommt eines der umfangreichsten und wichtigsten Konvolute von Beuys-Zeichnungen aus Privatbesitz nach Dresden.

Zusammengetragen in unmittelbarer Nähe zum Künstler – Heiner Bastian war langjähriger Sekretär und Vertrauter von Beuys – repräsentieren die Arbeiten nicht nur ein meisterhaftes Œuvre der Zeichenkunst des 20. Jahrhunderts, sie geben auch Zeugnis über das enge Band zwischen dem Künstler und der Familie Bastian. Nach den Schenkungen der Sammlung Hoffmann von Erika und Rolf Hoffmann und dem Archiv der Avantgarden von Egidio Marzona gelangt damit eine weitere private Kunstsammlung, in diesem Falle als langjährige Leihgabe, aus Berlin an die Dresdner Kunstsammlungen.

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Heiner Bastian (links), Celine Bastian und Erich Marx bei einer Ausstellungseröffnung in der Neuen Nationalgalerie im Jahr 2004.

Das bestärkt auch den Trend, dass Privatsammler ihr Engagement in Dresden mehr wertgeschätzt sehen, als in Berlin. Heiner Bastian, langjähriger Kurator der Sammlung Erich Marx am Nationalgalerie-Museum Hamburger Bahnhof, ging von dort im Streit. Dennoch schenkten er und seine Familie das von Chipperfield gebaute Galerie-Haus Bastian am Kupfergraben den Staatlichen Museen zu Berlin für die Kinder- und Jugend-Bildungsarbeit.

Das Beuys-Zeichnungskonvolut ist in seinem Umfang und seiner Qualität einzigartig. Die Arbeiten bilden das Gesamtwerk des Künstlers ab: Das früheste Blatt ist 1945 entstanden, das späteste erst gut ein Jahr vor Beuys‘ Tod 1986. Das zeichnerische Werk der 1960er-Jahre, als Beuys Professor für monumentale Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie war, steht in einer produktiven Wechselbeziehung zur Radikalisierung seiner künstlerischen Auffassung. Zahlreiche Papierarbeiten der 1970er- und 1980er-Jahre haben textliche sowie diagrammhafte Anteile und stehen in Beziehung zu Beuys‘ gesellschaftlichem Engagement.