Berlin - Es handelt sich um einige jener 20.000 Werke, die 1937 für die NS-Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt worden waren und als zerstört galten. 1941 gelangten sie in den bis 2010 vollkommen unbekannten Depotstandort der Partei-Propagandastelle nach Berlin. Im Spätsommer 2010 wurden sie aus dem zerstörten Keller des Hauses Rathausstraße 50 geborgen.

Es waren wohl 200 bis 300 Gemälde, Grafiken und Skulpturen in dem Haus untergebracht, so Meike Hoffmann, die das Forschungsprojekt zur Entarteten Kunst an der Freien Universität leitet. Überliefert sei eine Notiz über „sieben Meter Ladung“, die sich wohl auf gedrängt aufgestellte Gemälde bezog. 1944 brannte das Haus nach Bombentreffern bis auf einige Wände aus.

Die Hitze war so groß, dass bei den Ausgrabungen vor zwei Jahren – bald soll hier der U-Bahntunnel gebaut werden – selbst von kräftigen Deckenbalken nur chemische Rückstände in der Asche und von Möbeln nur verformte Beschläge gefunden wurden. Und eben die aus feuerbeständigem Material wie Ton oder Stein hergestellten Skulpturen.

Gezeigt werden bis Sonntag zusätzlich zu den schon bisher bekannten zehn Werken noch sechs Skulpturen im Neuen Museum. Etwa Fritz Wrampes Reiter aus Bronze (siehe Foto), Gustav H. Wolffs Relief einer stehenden Frau, ein schlankes Mädchen mit Traube von Karl Ehlers oder Richard Haizmanns abstrakte Figur von 1929.

Sie mussten erst restauriert werden, wurden bei späteren Grabungen gefunden oder man hielt sie zunächst für Baudekor und hat sie in anderen Depots abgelegt, wie Mathias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte erzählte: „Eine ausgeglühte Terrakottafigur ist kaum von Bauschutt zu unterscheiden, wenn man nicht mit solchen Funden rechnet.“

Am Donnerstag und Freitag wird eine Tagung im Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu den neuesten Forschungsergebnissen über Sammlung und Künstler stattfinden (kostenfrei, Anmeldung unter fsek@zedat.fu-berlin.de). Dann geht diese einzigartige Ausstellung "Der Berliner Skulpturenfund" nach Hamburg und München, aus deren Museen die meisten Werke stammten, später vielleicht ins Ausland. Das Interesse, so Wemhoff, sei jedenfalls „riesengroß“.