Staatsballett in der eigenen Einzimmerwohnung: Vivian Assam Koohnavard trainiert in Charlottenburg.
Foto: Britta Pedersen/dpa

BerlinBüroexistenzen wie unsereiner haben im Homeoffice vielleicht zu meckern, dass die Technik am Küchentisch nicht funktioniert oder dass sie nicht in die Videokonferenz eingeladen wurden oder wenn ja, vergessen haben, sich zu kämmen und dann nicht wissen, wie man das Bild ausschaltet. So was. Andere haben echte Hindernisse zu überwinden, wenn sie plötzlich zu Hause weiter für ihr Werk tätig sein und sich dort für einen zukünftigen Einsatz in der Außenwelt fit halten sollen. 

Sicher haben Sie die elegante Engführung des Themas in dem mehrdeutigen Wort „Werk“ bemerkt. Ja, es geht um Tänzer und Tänzerinnen. Klassische zumal, das Ensemble des Berliner Staatsballetts, um ganz genau zu sein. Das jetzt übrigens um die letzten Monate geprellt wird, in denen es (das Ensemble) noch von Sasha Waltz und Johannes Öhman geleitet worden wäre. Aber vielleicht finden das die fast 70 Ensemblemitglieder nicht ganz so schlimm wie die Tatsache, dass sie nun alle allein und zu Hause sind. An den Vormittagen zwar im Online-Training des Ballettmeisters Yannick Sempey vereint, wie dpa knallhart recherchiert hat.

Wie tanzt man im Altbau, wenn alle anderen Mieter auch zuhause sind?

Aber der Blickkontakt ist ja nur das eine, der Bodenkontakt das andere, womöglich wesentliche! Wie tanzt man im gründerzeitlichen Altbau, wenn alle anderen Mieter auch zu Hause sind? Und ohne auszurutschen oder den eigenen Gabbeh zu ruinieren? Wie kann man zwischenrein (so als Tänzer) körperlich auch mal alles geben?

Und da kommt jetzt der Tanzboden ins Spiel. Strapazierbar und so rutschfest, dass er auch Spitzentanz erlaubt, sorgt er bei dieser Berufsgruppe für Halt im Leben und wurde jetzt dreiquadratmeterweise aus einem großen Stück ausgeschnitten und verteilt. Bravo! Wer weiß, was darauf alles entstanden sein wird, wenn die Saison dereinst wieder anläuft. Wie viele Ideen für eigene Stücke es geben wird. Ohne Direktion zu sein, ist für die eigene Entwicklung ja oft das Beste.