„Frau mit roter Baskenmütze“, 1931 , Neuzugang der Berlinischen Galerie.
Foto: Anja Elisabeth Witte, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Berlin-MitteSpät, aber zum Glück nicht zu spät,  erleben Kunstfreunde die Wiederentdeckung und kunsthistorische Anerkennung der jüdischen Malerin Lotte Laserstein (1898-1993). Große Ausstellungen in der Nationalgalerie 2010, die dafür bereits das Laserstein-Hauptwerk „Abend über Potsdam“ von 1930 erwerben konnte, in Frankfurt am Main, in Kiel und vor wenigen Monaten unter dem Titel „Von Angesicht zu Angesicht“ in der Berlinischen Galerie beschleunigten diesen längst fälligen Prozess der Renaissance einer großartigen Malerin der Weimarer Republik.

Wie die Berliner Zeitung soeben erfuhr, ist es gelungen, für die Dauerausstellung des Landesmuseums Lasersteins so schönes wie prägnantes Bildnis „Dame mit roter Baskenmütze“ von 1931 anzukaufen – ein Synonym des Idealtypus der Neuen Frau in der Zwischenkriegszeit.

Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne beherrschte Lotte Laserstein souverän. Um 1930 veränderte sich ihr Malstil, der Farbauftrag wurde lockerer, offener und flächiger. Diese junge Frau sitzt in modischer Straßenkleidung Modell. Ihre rote Baskenmütze harmoniert mit der Farbe des Lippenstifts. Während Kopf und Oberkörper vollständig ausgearbeitet sind, ist die Partie unterhalb der Knie nur skizzenhaft angedeutet. Die junge Frau wirkt geerdet, entspannt und selbstbewusst.

Förderverein erwirbt Bild 

Für die Berlinische Galerie ist es das allererste Werk von Laserstein. Es war in der Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“ zu sehen. Finanziell möglich machte den Ankauf der Förderverein des Hauses. Die Summe bleibt ungenannt.

„Das Bild schließt eine Lücke in unserem Bestand und ist von besonderer Qualität und Modernität“, freut sich Thomas Köhler, Direktor des Landesmuseums.

Laserstein-Ankäufe sind nur selten möglich, denn die meisten Bilder der von den Nationalsozialisten bedrohten, 1937 in letzter Not ins schwedische Exil geretteten Ausnahmekünstlerin sind bis heute in Privatbesitz, daher nur in Ausnahmen öffentlich zu sehen.

Bild stammt aus Nachlass eines privaten Sammlers

Die „Dame mit roter Baskenmütze“ konnte vom in Ansbach und Potsdam tätigen Kunsthändler Michael Nöth erworben werden. Er hatte es bei einer Auktion in Stockholm 2016 aus dem Nachlass eines privaten schwedischen Sammlers erstanden. Ihm hatte Laserstein das Bild einst geschenkt.

Ausstellung

Zu sehen ist das Bild in der Berlinischen Galerie in der Alten Jakobstr. 124 –128 von Mittwoch bis Montag von 10–18 Uhr.