Berlin - In Berliner Bussen, U- und Straßenbahnen ist das Trinken von Alkohol untersagt. Aber wen kümmert‘s. Dagegen werden entsprechende Verbote in Wien und Hamburg weithin respektiert, obwohl auch dort sehr internationale und gemischte Verhältnisse herrschen. Das rot-rot-grün regierte Berlin verkommt: Die Parks degenerieren zu Drogen-, Kot- und Unratwüsten; in Neukölln wurden 2018 fast 10.000 Kubikmeter Sperrmüll auf die Straßen und Parks geworfen – von der Couchgarnitur über den kaputten Kühlschrank bis zu abgefahrenen Winterreifen. Es ist verantwortungsfaule Augenwischerei, wenn grüne und linke Politiker lamentieren, dieses asoziale Verhalten sei Folge von Armut. Zum Vergleich: In Marzahn-Hellersdorf wohnen 20 Prozent weniger Menschen als in Neukölln. Dort wurden 2018 lediglich 203 Kubikmeter illegalen Mülls festgestellt, rund 40-mal weniger pro Kopf als in Neukölln.

Liegt dieser drastische Unterschied etwa am unerhörten Reichtum des Ostbezirks? Nein! Die Marzahn-Hellersdorfer sind durchschnittlich besser erzogen. Sie wissen, was sich gehört! Und genau das gilt es, in Berlin generell durchzusetzen - sei es im Straßenverkehr, in Parks, Schulen, Bahnen, Bussen und Universitäten, auf Bürgersteigen und Bahnhöfen. Es fehlt der Stadt an zivilen Standards. Je weniger die öffentliche Gewalt auf die Einhaltung eines bei aller Liberalität festen Ordnungsrahmens achtet, desto mehr zerstört sie menschlich so produktive Verhaltensweisen wie Rücksicht, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Kaum einer der vielen Smartphone-Egomanen steht auf, wenn eine Schwangere, eine Oma mit einer zweijährigen Enkelin oder ein Körperbehinderter die U-Bahn betritt. Anders in Wien. Dort erklingt in den Bussen und Bahnen regelmäßig diese Durchsage: „Bitte seien sie achtsam: Andere brauchen Ihren Sitzplatz vielleicht notwendiger.“ Das hilft, erscheint aber in Berlin als unmöglich.

Unser Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) redet lautstark vom sogenannten solidarischen Grundeinkommen, jedoch schweigt er zum haarsträubenden Fehlen Tausender Schulplätze und ausgebildeter Lehrer. Seinem Parteikollegen, dem betont problembewussten und klar sprechenden Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel, springt er nicht bei. Mit dem Geld, das in anderen Bundesländern verdient und Berlin via Länderfinanzausgleich zugeschoben wird, führte Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) kostenloses Schulessen, kostenlose Schülertickets und kostenlosen Hortbesuch ein. Weil für die Essenausgabe Räume fehlen, beginnt der Unterricht an einigen Schulen jetzt um 7.30 Uhr. Die SPD wirbt für diesen angeblichen Fortschritt mit einem Plakat, das fettige Nudeln mit großen Kleksen Ketchup (enthält 30 Prozent Zucker) zeigt, während die Berliner Schüler in den Vergleichstests mit den anderen Bundesländern dauerhaft den letzten oder vorletzten Platz belegen.

Dann wäre da noch der tägliche Verkehrsinfarkt. Rhetorisch fragend meint Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dazu: „Warum führen wir nicht auch in Berlin Wassertaxis ein?“ Zu einem anderen Detail grüner Verkehrspolitik, nämlich zur „Begegnungszone“ Bergmannstraße in Kreuzberg, kommentierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung dieser Tage, hier sei die Herrschaft „ausgabefreudiger Surrealisten“ zu beobachten. In Berlin leider nicht nur dort.