Gewaltige Überbauung: Der Bahnhof Potsdamer Platz.
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Berlin-CharlottenburgWas sagt es über die Berliner Architektur aus, wenn Projekte, die weit überwiegend Flachdächer zeigen, in Gerüsten präsentiert werden, die im Design-Shoppingcenter Stilwerk eher traditionelle Giebeldächer andeuten, wie sie jedes Kind als „Haus“ zeichnet? 

Vielleicht dies: Die Sehnsucht nach dem Niedlich-Kleinen ist auch in Berlin groß. Doch die Notwendigkeiten einer Stadt, die jährlich um vierzig- bis fünfzigtausend Einwohner wächst, lassen sich im Klein-Klein nicht lösen.

Das Kleine wird vom Großen überlagert

Obwohl es auch in der diesjährigen DA-Ausstellung der Berliner Architektenkammer so manches Kleinod gibt: Den strikt modernistischen Atelieranbau in Michendorf, große Fenster und klare Holzkante neben einem netten Holz-Landhaus von 1937 (Architektin: Anne Lampen) oder das vorzügliche Wohn-Küchen-Bad-Bett-Schrank-Möbel, mit dem ein enges Zimmer im Seitenflügel zu einer erträglichen Wohnung wurde (mna merten nibbes).

Und das Wohnhaus Prinz35 – kaum elf Meter breite, aber 106 Meter lange Parzelle, bebaut nun mit einem knapp gehaltenen Vorhaus mit aus dem Raster verschobenen Fenstern und Balkonen und einem luftig gläsernen Gartenhaus – ist wirklich ein Schmuckstückchen (Schenk Perfler).

Aber sonst herrschen eher groß gedachte Anlagen vor wie „The Yard“ an der Alexandrinenstraße: Lustig gegeneinander versetzte Wohnetagen (Külby + Külby). Oder das wie ein preußischer Fabrikbau auftretende Haus an der Alten Schönhauser, das zwei kantige Townhouses im Hof verbirgt (Tschoban). Und dann ist da die wirklich gewaltige Überbauung der U-Bahn am Potsdamer Platz, die mit viertelrunden „Ecken“ und straff durchgezogenem Fassadenraster an Bauten der 20er-Jahre in New York erinnert (Hilmer & Sattler und Albrecht).

Schauderhafte Abhänge-Decken

Das stilistische Spektrum reicht also weit. Da ist der nur mit viel Wohlwollen nicht als blanke Notlösung zu bezeichnende Grobumbau einiger Räume für die Stadtwerkstadt von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, in der blanke Rohbaumasse und schauderhafte Abhänge-Decken sich zum berlinrauen Ambiente heben sollen (AFF Architekten).

An den Futurismus der 70er-Jahre erinnert das „Experimenta“-Wissenschaftszentrum in Heilbronn mit matt durchscheinenden Glaswänden und vielen Dreiecks- und 45-Gradwinkeln (Sauerbruch Sutton), cool Neo-Bauhausig wird das Probebühnenzentrums des Deutschentheater (GMP), ein Bau, der schon zu Zeiten des Wettbewerbs vor zehn Jahren wegen des erheblichen Eingriffs in die kostbare Denkmallandschaft um das Anatomische Theater von Carl Gotthard Langhans auf dem Charité-Gelände seiner gewaltigen Baumasse wegen für Proteste sorgte.

Eine politische Fehlentscheidung war diese Ortswahl, die die Architekten nur bedingt abfedern konnten.

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Die Ausstellung zeigt nur ein Ausschnitt Berlins

Zwei Projekte fehlen leider vollkommen in der Ausstellung, einfach, weil sie sich in der Debatte oder gerade in der Ausführung befinden: Der überaus umstrittene Neubau, der als „Scheune“ nach den Plänen von Herzog & De Meuron mitten auf das Kulturforum gewuchtet werden soll, und der nicht anders als Vandalismus zu bezeichnende Umbau der St. Hedwig-Kathedrale.

Auch sonst zeigt diese Ausstellung nicht das Berliner Bauen an und für sich, sondern nur einen Ausschnitt, erst gefiltert durch die Zahl der Einreichungen, dann durch die Auswahl der Jury. Dabei fällt aber auf, dass gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften nur mit zwei Projekten vertreten sind – da wäre mehr drin gewesen, auch wenn wirkliche neue Ideen zur Wohnungsreform in all den kantig-klaren Architekturen mit rechtem Winkel auch sonst fehlen.

Heftige Debatten aber wird diese Ausstellung nicht auslösen. Dabei konstatierte Regula Lüscher zur   Eröffnung, dass „Architektur auch Angst macht, weil sie verdrängt, liebgewordene Dinge und Milieus verändert.“ Doch in dieser Auswahl macht wenig Angst – und manches wie die Kita in der Ruheplatzstraße ist geradezu idyllisch: Holz, Sand, wilde Gräser und wehende Birken – Berlins ewige Sehnsucht nach dem Kleinen im Großen.

Stilwerk, Kantstraße 17, bis 4. April 2020, Montag bis Sonnabend, 8 bis 20 Uhr, Eintritt frei